Journal
20. Jänner 2026
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Drei Fragen an Christina Grebe
Christina Grebe ist Ärztliche Leiterin des Salzkammergut Klinikum in Vöcklabruck and steht dort auch der Palliativstation vor. Sie ist Vizepräsidentin von Hospiz Österreich, dem Dachverband der Palliativ- und Hospizeinrichtungen in Österreich. Zusätzlich ist Christina Grebe Vorsitzende im Landesverband Hospiz Oberösterreich.
ERSTE Stiftung Auf der Webseite des Dachverbands Hospiz Österreich heißt es: »Über das Sterben zu reden, hat noch niemanden umgebracht.« Warum fällt es uns dennoch so schwer, über das Sterben zu sprechen? Was könnte Ihrer Meinung nach helfen, damit das Reden darüber einfacher wird?
Christina Grebe Es sind hauptsächlich die Ängste vor dem eigenen Sterben, dem Bewusstwerden der eigenen Endlichkeit, die uns das Thema verdrängen lassen. Das Sterben ist nicht umsonst eines der größten Tabuthemen.
Es ist wichtig, die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren und sie vor allem sachlich darüber zu informieren. Je besser man Bescheid weiß, desto weniger treten Ängste auf. Am besten sollte dies schon im Schulalter erfolgen, weshalb Projekte wie »Hospiz macht Schule« so wichtig sind.
»Ich finde es sehr wichtig, sich Gedanken über die Zeit zu machen, in der man krank wird, und darüber hinaus über die Zeit nach dem eigenen Versterben.«
ES Juristische Themen wie Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht oder ähnliche Regelungen sind für viele Menschen komplex und schwer zugänglich. Wohin können sich Patient:innen oder Angehörige wenden, um verlässliche Informationen und Unterstützung zu erhalten? Und was halten Sie persönlich für die sinnvollsten Schritte, um sich gut auf das Lebensende vorzubereiten?
CG Grundsätzlich kann man sich bei jedem Rechtsanwalt oder Notar, aber auch bei der Patientenvertretung informieren. Die Schulungsvideos von Hospiz Österreich können dazu eine gute Erstinformation und einen wichtigen Einstieg ins Thema bieten.
Ich finde es sehr wichtig, sich Gedanken über die Zeit zu machen, in der man krank wird, und darüber hinaus über die Zeit nach dem eigenen Versterben. Welche Möglichkeiten der Betreuung stehen mir zur Verfügung? Wo kann dies stattfinden? Was braucht meine Familie und mein Umfeld? Sind meine Liebsten gut versorgt? Daher ist sowohl der Weg zur juristischen Beratung als auch zum Vertrauensarzt – Stichwort Patientenverfügung – entscheidend.
ES Sie leiten sowohl die Palliativstation des Salzkammergut Klinikums und verantworten das Klinikum insgesamt. Wenn Sie auf den Arbeitsalltag blicken: Wo sehen Sie aktuell noch die größten Baustellen oder Lücken, damit für Ihre Mitarbeiter:innen und Kolleg:innen mehr Rechtssicherheit geschaffen werden könnte? Was fehlt aus Ihrer Sicht im Moment noch?
CG Grundsätzlich schützt das österreichische Recht die Medizinerinnen und Mediziner im klinischen Alltag sehr gut. Wir haben Gesetze, die den Patientenwillen stärken und solche, die die Therapie am Lebensende regeln. Wichtig ist hier, dass auf beiden Seiten noch mehr informiert wird. Die Juristen brauchen noch mehr Expertise in der Palliativtherapie und die Mitarbeiter:innen im Gesundheitswesen sollten mehr Basiswissen in juristischen Belangen bekommen. Hier können die Schulungsvideos einen wertvollen Beitrag leisten.
Titelbild: Oberösterreichische Gesundheitsholding