Zwischen Asche und Licht
Projekt der ukrainischen Künstlerin Lisa Bukreyeva in der Fenstergalerie der ERSTE Stiftung

10. März – 10. April 2026, 17:00
ERSTE Stiftung

Die Ausstellung »Zwischen Asche und Licht« kombiniert zwei Serien der ukrainischen Fotografin Lisa Bukreyeva – »Hier bauen sie Häuser aus Asche« und »Narben der verlorenen Menschlichkeit«. Beide gehen der Frage nach, wie das Alltagsleben in der Ukraine an Orten weitergeht, die durch den Krieg völlig verändert wurden.

Die Aufnahmen der 1993 geborenen und in Kyjiw lebenden Künstlerin sind Ausdruck ihrer eigenen Lebenserfahrung. Ihr geht es dabei oft nicht um den Moment der Zerstörung selbst, sondern um das, was danach kommt – die Pausen, die Stille und die Versuche, in einen normalen Rhythmus zurückzufinden.

Ausstellungseröffnung: 10. März um 17 Uhr in der ERSTE Stiftung, Am Belvedere 1, 1100 Wien

Anhand von Szenen aus befreiten Gebieten und Frontregionen zeigt die Ausstellung, wie das tägliche Leben in einem durch gewaltsame Konflikte veränderten Umfeld weitergeht. Auch wenn sie sichtbare Spuren der Zerstörung aufweisen, sind Häuser noch immer bewohnt, findet das Leben auf den Straßen und Spielplätzen, in den Klassenzimmern und Kirchen weiterhin statt und zeugt von der Kontinuität des Alltags trotz instabiler und zerrütteter Verhältnisse. Überall dort, wo notdürftig repariert, gesichert und adaptiert wird – ob mit provisorischen Konstruktionen oder kleinen Gesten der Fürsorge – zeigt sich die Widerstandsfähigkeit der Menschen.

Die Werke präsentieren Orte, an denen sich das zivile Leben inmitten der Unsicherheit abspielt: ein zwischen den Trümmern eines Wohnblocks liegender Türvorleger mit der Aufschrift »Welcome Home«; ein Mädchen, das zwischen den Unterrichtsstunden Tarnnetze webt; eine Behelfsunterkunft in einem Bahnhof; eine Flagge, die in einem zerstörten Hof gehisst wurde; demolierte und von Granatsplittern übersäte Klassenzimmer und Kirchen. All diese Szenen zeigen, wie Gemeinschaften Präsenz, Struktur und Würde bewahren, selbst wenn die verbaute Umwelt weitgehend zerstört ist.

Ein durch eine russische Fliegerbombe verursachter Waldbrand, Charkiw, 2024, Sammlung: »Hier errichten sie Häuser aus Asche«

Die Ausstellung mäandert zwischen Momenten des stillen Überlebens und den sichtbaren Spuren des Krieges, die sich in die Landschaften und Häuser eingebrannt haben. Die wiederkehrenden Motive beider Serien – Türschwellen, Fenster, Spielplätze, Wohnräume — erzeugen einen visuellen Rhythmus, der die fragile Kontinuität des Alltagslebens widerspiegelt. Die ruhigen Aufnahmen lenken den Blick auf diese Details, kommen ohne dramatische Effekte aus. So entsteht eine Erzählung, die weniger von Brüchen als von Beständigkeit handelt.

Über die Künstlerin

Die ukrainische Künstlerin und Dokumentarfotografin Lisa Bukreyeva wurde 1993 in Kyjiw geboren, wo sie auch heute noch lebt und arbeitet. Angetrieben von dem Wunsch, ihre Umwelt und die von dieser beeinflussten Menschen zu beobachten und zu dokumentieren, begann sie sich ab 2019 der Fotografie zu widmen. Vor der russischen Vollinvasion galt ihr Interesse in erster Linie der ukrainischen Jugend, Themen der Identität, Zugehörigkeit und den Umfeldern, die junge Menschen prägen.

Nach der Invasion am 24. Februar 2022 verlagerte sich ihr künstlerischer Schwerpunkt grundlegend. Bukreyeva wandte sich den emotionalen und psychologischen Realitäten des Kriegsalltags in der Ukraine zu. In ihrer Arbeit geht sie der Frage nach, wie Krieg Zeit, Erinnerung und Wahrnehmung verändert und wie unmöglich es ist, die Traumata eines Konflikts vollständig zu begreifen – egal ob man unmittelbar davon betroffen ist oder nicht. Sie dokumentiert die Lebenserfahrungen von Zivilist:innen, verwüstete Landschaften und die stillen, oft unsichtbaren Wunden von Gemeinschaften, die in den Überlebensmodus gezwungen wurden.

Ein zentrales Element ihrer Arbeit ist die Frage, was von der Außenwelt gesehen werden kann – und was nicht. Mit Blick auf die zumeist gefilterten oder abgeschwächten Versionen des Krieges, die einem globalen Publikum zugänglich sind, spürt sie den Mechanismen der Sichtbarkeit, Zensur und emotionalen Distanz nach. Ihre Bilder sind ein ungeschöntes Archiv der ukrainischen Realität – geprägt von Trauer, Resilienz und menschlicher Fragilität – und konfrontieren den Betrachtenden mit der emotionalen Komplexität des Wahrnehmens von Leid.

Bukreyevas Arbeit verortet sich an der Schnittstelle von dokumentarischer Beobachtung und zutiefst persönlicher Reflexion. Ihre Fotografien vermitteln ein intimes Zeugnis des Lebens in Kriegszeiten und veranschaulichen die ungebrochene Menschlichkeit inmitten der Verwüstung und der stillen Räume, in denen Traumata Wurzeln schlagen.

Die ERSTE Stiftung engagiert sich für die Unterstützung der vom Krieg betroffenen Menschen in der Ukraine.
Seit vier Jahren gilt unsere besondere Aufmerksamkeit den Menschen in der Ukraine sowie jenen, die vor dem Krieg zu uns geflüchtet sind. Wir unterstützen ukrainische Kulturschaffende, bieten Weiterbildungen für Vertreter:innen zivilgesellschaftlicher Organisationen aus der Ukraine in Wien an, fördern die Ausbildung im Journalismus und setzen uns für die Stärkung demokratischer Strukturen vor Ort ein. Wir möchten dazu beitragen, die Lebensbedingungen in diesem vom Krieg schwer gezeichneten Land zu verbessern.

Die Ausstellung in der Fenstergalerie der ERSTE Stiftung am Erste Campus wird 24 Stunden, 7 Tage die Woche, vom 10. März bis zum 10. April 2026 zu sehen sein.

Titelbild: Durch russischen Beschuss zerstörtes Hochhaus, Charkiw, 2024, Sammlung: »Hier errichten sie Häuser aus Asche«. Foto von Lisa Bukreyeva