Event
16. Juli – 16. August 2026
Lesezeit: 4'
After the Winter
16. Juli – 16. August 2026, 17:00
ERSTE Stiftung, Wien
»After the Winter« nähert sich dem Winter nicht als Jahreszeit, sondern als Reflexion verschiedener Dimensionen: Dunkelheit (kein Licht), Kälte (keine Wärme), Unterbrechungen der Wasser- und Stromversorgung – Realitäten, die Raumerfahrung grundlegend verändern.
Wo auch immer man sich befindet, werden alltägliche Elemente des Wohnens – Räume, Heizkörper, Decken oder Powerbanks – zu Symbolen des Überlebens und der Beharrlichkeit. Der Raum nimmt Spannung, Angst, Erschöpfung und Erwartung auf, während sich der Körper an Unsicherheit und anhaltende Instabilität anpasst. Diese Bedingungen verschwinden nicht mit dem Wechsel der Jahreszeiten; sie bestehen fort und lagern sich in Boden, Wänden und Erinnerung ab. Was einst zyklisch war, wird zu Kontinuität.

Die Ausstellung präsentiert ukrainische Künstler:innen, die in der Ukraine und im Ausland leben, und zeigt, wie Krieg Wahrnehmung, Alltag und künstlerische Praxis verändert. Für Künstler:innen in der Ukraine entstehen die Arbeiten häufig aus unmittelbaren Kriegserfahrungen: beschädigter Infrastruktur, Stromausfällen, Frontrealität, ständiger Auseinandersetzung mit Gefahr und Verlust. Künstler:innen im Exil erleben den Krieg aus der Distanz – durch bruchstückhafte Kommunikation, Erinnerungen und Unsicherheit. Ihre Arbeiten thematisieren oft Vertreibung, Isolation und brüchiges Zugehörigkeitsgefühl, und zeigen zugleich Formen von Widerstandskraft und Adaption auf.

Was geschieht, wenn der Ausnahmezustand zur Routine wird? Wie verändert Kälte die Wahrnehmung von häuslichen, städtischen und ländlichen Räumen? Was bleibt in Material und Körper eingeschrieben, und was steht noch bevor?
»Nach« bedeutet nicht, dass schon eine Lösung gefunden wurde. Es bezeichnet ein fragiles Zwischenstadium nach der Erschöpfung, bevor sich Erfahrung zu Geschichte verdichtet. Im Juli gezeigt, im beständigen Sommerlicht, entfalten sich die Arbeiten vor dem Hintergrund einer anderen klimatischen und infrastrukturellen Realität. Die Ausstellung bietet keine Antworten, sondern schafft Raum für Artikulation – ein momenthaftes Aufeinanderstreffen von Formen, Affekten und Wahrnehmungsebenen, die sich einem schnellen Abschluss entziehen. Sie hält den Verlauf offen und ermöglicht Aufmerksamkeit für das, was über das Unmittelbare hinaus fortbesteht.
Teilnehmende Künstler:innen: Anastasiia Antonenko, Mark Chehodaiev, etchingroom1, Diana Fedoriaka, Sviatoslav Koverzniev, Olena Kurzel, Serhii Melnychenko, Yaroslava Melnychenko, miki-mike665, Tetiana Pukhnavtseva, Maryna Shtanko, Karina Synytsia, Maria Vasylenko, Yulianna Verba, Ola Yeriemieieva
Eröffnung: 16. Juli 2026, 17:00 in der ERSTE Stiftung, Am Belvedere 1, 1100 Wien
Die ERSTE Stiftung engagiert sich für vom Krieg betroffene Menschen aus der Ukraine.
Seit vier Jahren gilt unsere besondere Aufmerksamkeit den Menschen in der Ukraine sowie jenen, die vor dem Krieg zu uns geflüchtet sind. Wir engagieren uns für die Unterstützung ukrainischer Kulturschaffender, bieten Weiterbildungen für Vertreter:innen sozialer Organisationen aus der Ukraine in Wien an, fördern die Ausbildung im Journalismus und setzen uns für den Aufbau und die Stärkung demokratischer Strukturen vor Ort ein. Mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln arbeiten wir daran, die Lebensbedingungen in diesem vom Krieg gezeichneten Land zu verbessern.
Office Ukraine. Support for Ukrainian Artists
Der langjährige Partner der ERSTE Stiftung tranzit.at in Wien war in Zusammenarbeit mit dem BMWKMS / Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (vormals BMKÖS), <rotor> in Graz und dem Künstler*innenhaus Büchsenhausen in Innsbruck maßgeblich an der Realisierung von Office Ukraine beteiligt.
Die Initiative wurde Anfang 2022, nur wenige Tage nach dem großflächigen russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, gegründet und unterstützt nach Österreich geflüchtete ukrainische Künstler:innen und Kulturschaffende aller Sparten, vernetzt sie mit Kulturinstitutionen und -initiativen in ganz Österreich und hilft bei der Suche nach Ausstellungs- und Aufführungsmöglichkeiten, Atelierräumen, Jobs und Praktika.
Wichtigstes Ziel von Office Ukraine ist es, den Kulturschaffenden die Fortsetzung ihrer künstlerischen Arbeit in ihrem jeweiligen Bereich zu ermöglichen und eine langfristige Zusammenarbeit zwischen Künstler:innen aus der Ukraine und der österreichischen Kunstszene zu fördern.
Die Ausstellung in der Fenstergalerie der ERSTE Stiftung am Erste Campus ist vom 1. bis 31. Juli 2025 zu sehen – 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche zugänglich.
Titelbild: Serhii Melnychenko, View from a dugout von Oleksandr / Dob, Region Charkiw, aus der Serie Frontline Rolls: Photos, Letters & Artifacts from Ukrainian Soldiers, Analogfotografie, Digitaldruck, 2025