Igor Zabel Award for Culture and Theory

Einer der bedeutendsten Kulturpreise in Zentral- und Osteuropa

Haben Sie das gewusst?

Igor Zabel (1958–2005) war ein slowenischer Kurator, Schriftsteller und Kulturtheoretiker. Zeit seines Lebens war er auf vielen Feldern der Theorie und Kultur aktiv, seine Texte über die zeitgenössische Kunst Sloweniens und Osteuropas sind exzellente Beobachtungen der engen Verflechtung von Kunst und Gesellschaft. Mit Ausstellungen über slowenische Kunst erlangte er internationale Bekanntheit. Die Bühne für seine Arbeit als Kurator war seit 1986 die Moderna galerija in Ljubljana. Seine Arbeit als Philosoph, Autor, Übersetzer, Essayist, Kurator, Literatur und Kunstkritiker prägte eine ganze Generation von KünstlerInnen, DenkerInnen und Intellektuellen in Europa. Igor Zabel analysierte die Rolle der Kunst im Postsozialismus und brachte die komplexe Beziehung von Ost und West innerhalb der Kunstwelt auf den Punkt. Mit seiner Arbeit legte er einen wichtigen Grundstein für das Verständnis der neuen politischen Geografie Europas nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und deren Einfluss auf die Kunst. Im Westen fehlte ein tieferes Verständnis für die Kunst Osteuropas und im Osten ein neues künstlerisches Bewusstsein und gesellschaftliches Selbstverständnis. Diese Differenz ist zum Teil heute immer noch – oder sogar wieder – spürbar.

Igor Zabel. Photos mit freundlicher Genehmigung der Igor Zabel Association of Culture and Theory

Was kann man da tun?

Um die anhaltende Bedeutung der Arbeit von Igor Zabel für die Kunst und die kulturelle Verständigung zwischen Ost und West weiterzutragen, haben wir 2007, zwei Jahre nach Igors völlig überraschendem Tod, gemeinsam mit seiner Familie einen Verein gegründet. Die Aufgabe der Igor Zabel Association for Culture and Theory ist es das Werk Igor Zabels aktuell zu halten und Bezüge zur Gegenwart herzustellen. Seine Schriften werden schrittweise katalogisiert und in der Bibliothek der Moderna galerija in Ljubljana der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

„Was die Kunst angeht, spielt sich der Ost-West-‚Konflikt‘ im Wesentlichen auf der Ebene eines Kampfs ab, eines Kampfs um die Kodifizierung des Feldes und damit um die Vorherrschaft.“

Igor Zabel

Alle zwei Jahre wird einer der höchstdotierten und renommiertesten Kulturpreise der Region verliehen: der Igor Zabel Award for Culture and Theory. Ausgezeichnet wird die herausragende Arbeit von KuratorInnen, KunsthistorikerInnen oder -theoretikerInnen, SchriftstellerInnen oder KritikerInnen, die sich mit zeitgenössischer Kultur und Kunst in Zentral-, Ost- und Südosteuropa beschäftigen. Für den Preis kann man sich nicht bewerben. Der Preisträger oder die Preisträgerin wird von einer internationalen Jury ausgewählt. Der Gewinner/die Gewinnerin erhält EUR 40.000. Zusätzlich werden drei Stipendien zu jeweils EUR 12.000 vergeben. Zwei Stipendien werden von der Jury und eines vom Preisträger/der Preisträgerin vergeben. Der Verein organisiert darüber hinaus Vorträge und Symposien.

Warum machen wir das?

Wir sind der Überzeugung, dass Kunst einen gesellschaftlichen Auftrag erfüllt und jede Gesellschaft ein lebendiges kulturelles Umfeld benötigt. Kunst setzt sich kritisch mit den Entwicklungen in unseren Gesellschaften auseinander. Es gibt weltweit eine Vielzahl von Preisen für KünstlerInnen der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart, aber sehr wenig Förderungen und Auszeichnungen für die TheoretikerInnen, die sich mit deren künstlerischen Produktionen auseinandersetzen und deren Werk dem Verständnis einer größeren internationalen Öffentlichkeit erschließen. Igor Zabel bemühte sich intensiv um die kulturellen Beziehungen zwischen Ost- und Westeuropa. Er demaskierte die politischen Mythen des „Ostens“ und „Westens“. Wir möchten sein Andenken bewahren und brauchen auch in Zukunft Visionäre und Intellektuelle, die sich mit Politik und Ökonomie kritisch und friedensstiftend auseinandersetzen.

PreisträgerInnen

2008

Gewinnerinnen: What, How & for Whom (WHW)
Stipendien: Fouad Asfour, Erden Kosova, Prelom Kolektiv
Jury: Eda Cufer, Josef Dabernig, Charles Esche

2010
Gewinner:
Piotr Piotrowski
Stipendien: Maja und Reuben Fowkes, ­Peace Institute Ljubljana, Raluca Voinea, Daniel Grún
Jury: Edit András, Chus Martínez, Tadej Pogacar

2012
Gewinnerin: Suzana Milevska
Stipendien: Sabine Hänsgen, Klara Kemp-Welch, European Roma Cultural Foundation
Jury: Alenka Gregoric, Yuri Leiderman, Hanna Wróblewska

2014
Gewinnerin:
Ekaterina Degot
Stipendien: Karel Císar, Miklavž Komelj, Kirill Medwedew
Jury: Keti Chukhrov, Apolonija Šušteršic, Rainer Fuchs

2016
Gewinner:
Viktor Misiano
Stipendien: Viviana Checchia, Anca Verona Mihule, OFF-Biennale Budapest
Jury: Zdenka Badovinac, Vít Havránek, Roman Ondak

2018
Gewinnerin:
Joanna Mytkowska
Stipendien: Edith Jerábková, Oberliht Association, ­Visual Culture Research
Jury: Adam Budak, Ana Janevski, Erzen Shkololli

2020
Gewinnerin: Zdenka Badovinac
Stipendien: Slavcho Dimitrov, Katalin Erdődi, Ivana Bago
Jury: Šejla Kamerič, Antony Gardner, Franciska Zólyom

Igor Zabel Award For Culture And Theory

AUS DEM PROJEKT

The Curators Room: Igor Zabel - How to make art visible?

The Curator’s Room, ein Dokumentarfilm, der dem Kunsthistoriker und Kurator Igor Zabel (1958–2005) gewidmet ist, konzentriert sich auf Zabels Arbeit im Bereich der bildenden Kunst von Ende der 1980er Jahre bis zu seinem Tod. Durch den Film erfahren wir, wie er sich in dieser Epoche – um die Jahrhundertwende und an der Schnittstelle von (post-) moderner und zeitgenössischer Kunst, lokalem und internationalem Kunstraum, Sozialismus und Kapitalismus, Ost und West, Künstlerischem und Sozial/Politischem – in seiner Arbeit nicht nur großen Veränderungen und Konflikten gegenübersah, sondern auch neue Möglichkeiten umsetzte.

Der Film zeigt nicht nur einen Mann, der trotz interner Widersprüche der Kunstwelt beharrlich an die Kraft der Kunst glaubte, sondern auch das Umfeld, in dem Igor Zabel arbeitete und welches er mitbeeinflusste.

Der Dokumentarfilm erzählt von seinem Konzept über die Rolle des Kurators, seinen wichtigsten Ausstellungsprojekten und ihren Hintergründen, sowie seinem Einfluss auf die slowenische Kunstgeschichte. Seine literarischen Werke und Texte, mit denen er die über die Beziehung zwischen dem (ehemaligen) Osten und dem Westen reflektierte und die Manifestation in der Kunstwelt offenlegte, sind ebenfalls Teil des Films.

Regie: Damjan Kozole | Drehbuch: Urška Jurman | Kamera: Matjaž Mrak | Schnitt: Jurij Moškon | Produzent: Danijel Hočevar | Produktion und Distribution: Vertigo | Co-Produktion: RTV Slovenia, Igor Zabel Association for Culture and Theory | Unterstützt durch: Slovenian Film Centre

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PUBLIKATIONEN DER IGOR ZABEL ASSOCIATION FOR CULTURE AND THEORY

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