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Posted on 07. Oct, 2011 by admin.

Ein Redezyklus im Akademietheater

Seit dem Herbst 1989, also seit 20 Jahren, ist Österreich nicht mehr der unbedeutende Kleinstaat im äußersten Osten der sogenannten freien Welt. Mit der EU-Osterweiterung ist Österreich heuer noch dezidierter vom Rand Richtung Mitte der europäischen Landkarte gewandert. Aber ist es deshalb schon bedeutend? Ein Wirtschaftsraum macht auf Anhieb noch keinen Kulturraum, der Verzicht auf Passkontrollen allein ist noch nicht bewusstseinserweiternd. Was verleiht einem modernen Staat denn überhaupt Bedeutung? Ein möglichst großes Bruttoinlandprodukt? Der Besitz nuklearer Sprengköpfe? Eine kulturelle Leitfunktion?

Bedeutung, so die These des Projekts Kakanien Reloaded, entsteht durch den Abgleich mehrerer Perspektiven, durch kulturellen Austausch und Vernetzung mit Nachbarn. Immerhin erinnert die Einbindung neuer Staaten an eine frühere Ordnung: Sieben der zwölf neuen EU-Mitglieder sind ehemalige Teile der Donau-Monarchie. Die neu geregelte Nachbarschaft zu Tschechien, Ungarn, Polen, Slowenien, Slowakei, Bulgarien und Rumänien lässt in Gemäuern wie jenem des Burgtheaters ein besonderes Echo anklingen, den Widerhall einer Zeit, die die Größendimension solcher Kulturtempel erst ins rechte Licht rückt.

Zwar war das Kakanien, das Robert Musil beschreibt, ein müde gewordener, repressiver und kriegsdurstiger Verwaltungsriese, aber eben nicht nur. Noch in ihren letzten Zügen brachte die Doppelmonarchie Dichtergrößen und Kulturblüten hervor, deren Prägung und Wirkung den ganzen Donauraum umfassten. Auch dem neuen Wirtschaftsraum soll deshalb ein geistiges Organ zur Seite gestellt werden, eine neu gegründete Republik der Dichter.

Mit einem Zyklus von Ansprachen namhafter Schriftstellerinnen und Schriftstellern soll dafür der Grundstein gelegt werden. Während eines Jahres hält jeden Monat ein Gast aus der geistigen Umgebung Österreichs im Burgtheater eine Rede: Dabei geht es um mentale Gemeinsamkeiten und Andersheiten, um kulturelle Kollisionen und Synergien, um ethische Ansprüche und Visionen, die mit der neuen Nachbarschaft einhergehen. Eingeleitet wird der Reigen durch den österreichischen Schriftsteller Peter Turrini. Zu den eingeladenen Gästen gehören internationale Berühmtheiten wie Vaclav Havel, Péter Esterházy und Claudio Magris, aber auch jüngere Nachbarstimmen und Grenzüberschreiter wie Biljana Srbljanović, Dorota Masłowska oder Dimitré Dinev.

In den Herkunftsländern

Eines der Hauptziele der ERSTE Stiftung ist es, sich in Zentral- und Südosteuropa gemeinsam mit Partnern für eine Integration auf vielen Ebenen einzusetzen, sei es politisch, gesellschaftlich oder künstlerisch.

Ein wesentlicher Aspekt des Vorhabens Kakanien — Neue Republik der Dichter ist, den Mitwirkenden dieser Veranstaltungsreihe in Wien – als Repräsentanten des intellektuellen Kapitals dieser Länder – die Möglichkeit zu geben, auch in ihren jeweiligen Herkunftsländern den öffentlichen Diskurs anzuregen.

Alle diese Länder sind sehr junge Demokratien und deren Gesellschaft befindet sich noch immer in Transformation; Werte wie Meinungsfreiheit, Toleranz und Integration sind erst im Aufbau und mit radikalen Gegentendenzen wie Nationalismus, Vorurteilen und diktatorischem Gedankengut konfrontiert. Kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Herausforderungen ist im öffentlichen Dialog meist nicht präsent.

Eine Art „Spiegelung“ der Aktivitäten am Burgtheater in Wien in den jeweiligen Ländern ist wesentlich für die Initiierung eines offenen Diskurses. In den meisten Ländern Zentral- und Südosteuropas gibt es kaum Foren oder Podien für einen gesellschaftspolitischen Austausch zu europäischen Themen. Das Burgtheater lädt seine Gäste ein, ihrerseits an der Gestaltung dieser Reziprozität mitzuarbeiten und ihre Netzwerke zu nutzen, da diese mit den Gegebenheiten in deren Herkunftsländern am besten vertraut sind. Darüber hinaus und ergänzend wird die ERSTE Stiftung ihre regionalen und überregionalen Partner und Netzwerke aktivieren und einbinden.

Regionale Aktivitäten werden aus dem jeweiligen Status Quo der Länder und deren Gesellschaft konzipiert. Eine internationale Pressearbeit ist integraler Bestandteil des Projekts; eine exklusive Medienpartnerschaft in Österreich ist bereits in konkreten Gesprächen.

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A project of Burgtheater / ein Projekt des Burgtheaters

In cooperation with / In Kooperation mit

Medienpartner / Media partner