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Press Room

Media Release

Gender Check: Erste umfassende Untersuchung von Geschlechterthemen in der Kunst Osteuropas nach Wien auch in Warschau zu sehen

12. January 2012

Aus Anlass des in Zentral- und Südosteuropa besonders bedeutsamen zwanzigsten Jubiläums des Falls des Eisernen Vorhangs im Jahr 2009 hat die in dieser Region aktive ERSTE Stiftung im Herbst 2007 sieben internationale Kuratorinnen und Kuratoren im Rahmen einer Ausschreibung gebeten, ein Ausstellungskonzept zu entwickeln. Die Auswahl der eingeladenen Fachleute wurde von einer Jury getroffen, der vonseiten der ERSTE Stiftung die Direktorin des Programms Kultur, Christine Böhler, und die Kuratorin Christiane Erharter angehörten sowie die Mitglieder des PATTERNS Advisory Panel. Dieser Beirat berät das Kulturprogramm der ERSTE Stiftung seit Anfang 2007 inhaltlich: ihm gehören der rumänische Kurator Cosmin Costinaş, die Intendantin des steirischen herbstes, Veronica Kaup-Hasler, der polnische Kunsthistoriker Piotr Piotrowski und der österreichische Kritiker, Kurator und Herausgeber der Zeitschrift springerin, Georg Schöllhammer an.

Von den fünf eingereichten Konzepten wählte die Jury jenes der in Berlin und Belgrad lebenden Kuratorin Bojana Pejić aus. Ihr Ausstellungsprojekt Gender Check konzentriert sich auf Geschlechterdifferenzen in der Kunst Osteuropas von den 1960er Jahren bis heute. Wie sieht das Frauenbild, wie das Männerbild in der jüngeren bildenden Kunst aus? Und welche Rolle spielt das Geschlecht der Produzenten, Vermittler und Rezipienten? Welchen Einfluss haben Künstlerinnen im Vergleich zu Künstlern, Theoretikerinnen oder Theoretiker auf Betrachterinnen und Betrachter? Für die Kunst des sogenannten Westens haben eine Fülle von Publikationen, Symposien und seit 2006 vor allem auch Überblicksausstellungen u.a. in Los Angeles und New York diese Fragen zu beantworten versucht. Für die Kunst Osteuropas und ihre spezifischen Entstehungsbedingungen in der Zeit des Sozialismus ebenso wie die des Umbruchs danach stand eine systematische Erforschung dieser Fragen noch aus. So zeigt die groß angelegte Ausstellung erstmals einen umfassenden Überblick über die Kunst einer unter diesem Blickwinkel noch kaum untersuchten Region.

„Klimawandel, politische Konflikte, Armutsfalle und Wirtschaftskrise – das sind die großen Themen heute. Geschlechterdifferenz spielt in diesen globalen Herausforderungen zwar überall eine Rolle, sie bestimmt sogar in nicht geringem Maße unseren Alltag“, so Christine Böhler, Direktorin des Programms Kultur der Wien, 29. Oktober 2009 ERSTE Stiftung, „hat aber keine Priorität in der öffentlichen Diskussion. Gerade deshalb haben wir uns für das Projekt von Bojana Pejić entschieden.”

Darüber hinaus sprach für Gender Check, dass ein solches Pionierprojekt nur mithilfe intensiver Forschungsarbeit umsetzbar war. 25 Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker, Kritikerinnen und Kritiker besuchten Archive, Museen und Bibliotheken. Sie recherchierten in Künstlernachlässen und Ausstellungskatalogen in 24 Ländern vom Baltikum bis zum Kaukasus. Bei einer derart aufwendigen Recherche ist die Kooperation einer privaten Stiftung mit einer öffentlichen Institution besonders sinnvoll, denn im normalen Ausstellungsbetrieb einer öffentlich finanzierten Einrichtung kann so intensive Forschungsarbeit kaum mehr geleistet werden.

Mit dem MUMOK wurde ein Partner gefunden, dessen Seriosität, exzellenter fachlicher Ruf und dessen Team mit der Kuratorin die Ergebnisse der Recherche in eine international relevante Ausstellung umsetzen konnten, die im Anschluss an die Wiener Station auch in Polen gezeigt wird. Die Zacheta National Gallery of Art in Warschau übernimmt die Ausstellung ab 19. März 2010.

Der Gender-Schwerpunkt im Programm der ERSTE Stiftung

Gender Check (Recherche und Ausstellungstournee) ist das bisher größte Projekt eines Themenschwerpunkts zur Geschlechterforschung, den die ERSTE Stiftung seit 2007 entwickelt. Mit ihren drei Programmen Soziales, Kultur und Europa versteht sich die ERSTE Stiftung als kreative Werkstatt für Innovationen, als ein Labor zur Erforschung der Themen der Zukunft. Genderthemen spielen in sämtlichen Programmen eine Rolle und werden nicht nur  interdisziplinär entwickelt, sondern auch in den vielfältigen Netzwerken der Stiftung diskutiert.

Aus einem soziologischen Blickwinkel widmet sich eine Sammlung von Fallstudien den Geschlechterrollen im Kontext von gesellschaftlichen Umbrüchen. Sie wird unter dem Titel Gendering Transition. Studies of Changing Gender Perspectives from Eastern Europe 2010 in einer von der ERSTE Stiftung herausgegebenen soziologischen Reihe erscheinen. Neun Forscherinnen aus Südosteuropa untersuchen die Situation von Alleinerziehenden, die Hintergründe von Obdachlosigkeit, die Medien- und Popkultur, die Situation sexueller Minderheiten oder die Entwicklung von häuslicher Pflege unter dem Gesichtspunkt der Genderforschung und blicken außerdem zurück auf die Geschichte des Feminismus in der Region.

Das Stipendienprogramm, das die ERSTE Stiftung gemeinsam mit der Robert Bosch Stiftung für jährlich zehn Journalistinnen und Journalisten aus den Balkanländern eingerichtet hat, stand 2009 unter dem Motto Identities, Zu den Beiträgen dieses Balkan Fellowship for Journalistic Excellence 2009 gehören in diesem Jahr ebenfalls Reportagen zur Geschlechteridentität. Weitere Beispiele für geförderte Initiativen in den verschiedenen Programmen der ERSTE Stiftung, die Genderfragen berühren, sind das Kunstprojekt Feminisme der rumänischen Künstlergruppe h.arta (www.feminisme.ro). Replaying the Balkans der kroatischen Initiative Domino (www.queerzagreb.org) oder eine Konferenz zu Frauen und Performancekunst in Osteuropa, Live Art East der City of Women (www.cityofwomen.org) in Slowenien.

Ausstellung

Die Ausstellung Gender Check. Rollenbilder in der Kunst Osteuropas zeigt erstmals in einem repräsentativen Überblick Kunst aus Osteuropa seit den 1960er Jahren, die sich mit dem Thema der Geschlechterrollen auseinandersetzt. Die umfassende Präsentation beinhaltet mehr als 400 Arbeiten – Malereien, Skulpturen, Installationen, Fotografien, Plakate, Filme und Videos. Über 200 Künstlerinnen und Künstler vermitteln ein äußerst facettenreiches Bild eines bislang weitgehend unbekannten Kapitels der neuesten Kunstgeschichte, das einen zukunftsweisenden Beitrag zum Genderdiskurs leistet. Gender Check verfolgt den Wandel weiblicher und männlicher Rollenbilder innerhalb der Kunst vor dem Hintergrund ihrer gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Die Ausstellung zeichnet dieses Wechselspiel zwischen Kunst und Geschichte in chronologischer und thematischer Gliederung nach.

Ausstellungsdaten

Gender Check – Rollenbilder in der Kunst Osteuropas

Wien:

MUMOK, Museumsplatz 1, 1070 Wien, Österreich

13. November 2009 – 14. Februar 2010

Pressekonferenz: 12. November 2009, 10 Uhr

Eröffnung: 12. November 2009, 19 Uhr

Symposium: 13. und 14. November 2009

Warschau:

Zacheta National Gallery of Art, pl. Malachowskiego 3, 00-916 Warschau

19. März – 13. Juni 2010

Länderliste und Researchteam:

Albanien (Edi Muka), Armenien (Eva Khachatryan), Bosnien und Herzegowina (Dunja Blažević), Bulgarien (Maria Vassileva), Estland (Katrin Kivimaa), Deutschland (Angelika Richter), Georgien (Lali Pertenava / Nino Tchogoshvili), Kosovo (Erzen Shkololli), Kroatien (Ivana Bago), Lettland (Mara Traumane), Litauen (Laima Kreivyte), Mazedonien (Suzana Milevska), Moldau (Lilia Dragneva), Montenegro (Bojana Pejić), Polen (Izabela Kowalczyk), Rumänien (Alina Serban), Russland (Keti Chukhrov), Serbien (Branislav Dimitrijević), Slowakei (Zora Rusinova), Slowenien (Urška Jurman), Tschechien (Martina Pachmanová), Ukraine (Hedwig Saxenhuber), Ungarn (Edit András), Weißrussland (Almira Ousmanova).

Auszug aus der Liste der Künstlerinnen und Künstler:

Anri Sala, Anita Arakelyan, Anna Koushar, Ismet Mujezinović, Šejla Kamerić, Alla Georgieva, Sanja Iveković, Tomislav Gotovac, Běla Kolářová, Veronika Bromová, Mare Tralla, Cornelia Schleime, Fritz Skade, Emese Benczúr, Orshi Drozdik, Tibor Hajas, Erzen Shkololli, Aija Zariņa, Zenta Dzividzinska, Egle Rakauskaite, Sofija Veiveryté, Zaneta Vangeli, Valentina Rusu-Ciobanu, Jelena Tomašević, Wojciech Fangor, Katarzyna Kobro, Katarzyna Kozyra, Alexandra Croitoru, Ion Grigorescu, Lia Perjovschi, Anna Alchuck, Oleg Kulik, Vladislav Mamyshev-Monroe, Marina Abramović, Tanja Ostojić, Anetta Mona Chisa/Lucia Tkacova, Jana Želibská, Tadej Pogačar, Duba Sambolec, Arsen Savadov & Oleksandr Kharchenko, Boris Mikhailov und viele mehr.

Ausstellungskatalog

Mit Textbeiträgen von Edit András, Keti Chukhrov, Branislav Dimitrijević, Katrin Kivimaa, Izabela Kowalczyk, Suzana Milevska, Martina Pachmanová, Bojana Pejić, Piotr Piotrowski, Zora Rusinová, Hedwig Saxenhuber und Georg Schöllhammer, ca. 350 Seiten, 23 X 30 cm, englische Ausgabe, ca. 35 €, ISBN engl: 978-3-902490-57-5

Symposium Reading Gender. Art, Power and Politics of Representation in Eastern Europe

Am 13. und 14. November 2009 findet ein zweitägiges Symposium im MUMOK statt. Es soll die Forschungsergebnisse vertiefen und als Diskussionsforum für die Erkenntnisse aus der Ausstellung dienen. 27 internationale Expertinnen und Experten diskutieren über die Rolle feministischer Theorien in Osteuropa im Verhältnis zu ihrem westlichen Kontext, über die Bedeutung von Transgenderpositionen, sowie über die Neubestimmung und Korrektur kanonisierter Genderauffassungen.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums:

Juan Vicente Aliaga, Edit András, Ivana Bago, Christine Böhler, Keti Chukhrov, Ana Daucikova, Katy Deepwell, Silvia Eiblmayr, Rainer Fuchs, Marina Gržinić, Katrin Kivimaa, Izabela Kowalczyk, Vjollca Krasniqi, Laima Kreivytė, Suzana Milevska. Jet Moon, Agnieszka Morawinska, Gislind Nabakowski, Almira Ousmanova, Bojana Pejić, Griselda Pollock, Angelika Richter, Hedwig Saxenhuber, Johanna Schaffer, trafo.k, Mare Tralla, Mara Traumane.

Mit Performances von Egle Rakauskaite: For Guilty without the Guilt. Trap. Expulsion from Paradise (Freitag, 13. November 2009, 19.30 Uhr)

Das Programm im Detail finden Sie hier: www.gender-check.at

Kontakt

ERSTE Stiftung, Kommunikation

Maribel Königer, Tel. +43 50100 15453, E-mail: maribel.koeniger@erstestiftung.org

Jovana Trifunovic, Tel. +43 50100 15844, E-mail: jovana.trifunovic@erstestiftung.org

ERSTE Stiftung

Die ERSTE Stiftung engagiert sich in Zentral- und Südosteuropa gemeinsam mit Partnern in zahlreichen gemeinnützigen Aktivitäten in den drei Programmen Soziales, Kultur und Europa. Sie versteht Kultur als treibende Kraft für eine offene Gesellschaft und nützt ihre Fähigkeit, zwischen verschiedenen sprachlichen und geografischen Regionen Brücken der Verständigung zu bauen. Als Rechtsnachfolgerin der 190 Jahre alten “Ersten oesterreichischen Spar-Casse” hält sie derzeit einen Anteil von 31% am Kapital der Erste Group. Ihre beiden zentralen Aufgaben basieren auf diesen historischen Wurzeln: Als Hauptaktionärin sichert die ERSTE Stiftung die Zukunft der Erste Group als unabhängiges Unternehmen. Die Dividende, die sie erhält, investiert sie durch die von ihr und ihren Partnern entwickelten Projekte in das Gemeinwohl. Das macht die ERSTE Stiftung zur einzigen Institution dieser Art und Größe in Zentralund Südosteuropa.