Menü
Fakten

Start-ups: Von Einhorn bis fliegendes Auto

Kopf und Zahl - Osteuropa im digitalen Taschenformat

Magazin > Fakten > Start-ups: Von Einhorn bis fliegendes Auto

Die Einhornherde im Osten wächst. Eine Handvoll Unicorns – Start-ups mit einer Marktbewertung von mehr als einer Milliarde US-Dollar – traben als Zugpferde einer zusehends erfolgreichen lokalen Start-up-Szene durch Zentral- und Osteuropa. Unternehmen wie LogMeIn, einst in Budapest entstanden und heute an der amerikanischen Nasdaq, oder das ebenfalls ungarische Prezi, das Power Point von Microsoft verdrängen will, sind längst international etabliert. Und neue Ideen warten nur auf ihr Momentum: In Bratislava werkeln die Ingenieur/innen von AeroMobil an einem Flugauto, das bis 2020 Marktreife erlangen soll. Und 2013 forderte der Rumäne Ionuț Budișteanu mit seiner Version eines selbstfahrenden Autos einfach einmal Google heraus. Da war Budișteanu 20 Jahre alt.

Geschätzt erfolgreiche 30.000 Startups arbeiten in Zentral- und Osteuropa an ihren Geschäftsideen. Der Großteil davon im Tech-Bereich, einige als Social Entrepreneurs. Wie kommt es? Gedeiht unternehmerische Innovation in den jungen EU-Mitgliedsstaaten in einem besonders fruchtbaren Ökosystem? Oder sind die erfolgreichen Beispiele Ausreißer, die schwere Mängel in den unternehmerischen Rahmenbedingungen vor Ort verschleiern? Die Antwort ist: Sowohl als auch.

„Zentral- und Osteuropa, dessen Wirtschaft 2017 deutlich stärker als die der alten EU angezogen hat, wird teilweise ein Opfer seines eigenen Erfolgs. Man ist immer noch nicht so reich wie die Länder im Westen, aber im Rennen um Gelder nicht mehr arm genug.“

Das beste Blatt der Region sind die Menschen – und ihre Berufswahl. 200.000 junge Frauen und Männer aus IT-relevanten Fachrichtungen wie Informatik, Mathematik und Ingenieurwissenschaften verlassen die osteuropäischen Universitäten jährlich, 40.000 davon alleine in Polen. Daraus speist sich ebenso eine kritische Masse an findigen Köpfen, wie auch genügend Mitarbeiter/innen für den Informations- und Kommunikationstechnik-Sektor in den Ländern. In Rumänien macht die ITC-Branche, vor allem bei Software-Lösungen, bereits knapp sechs Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus. Für junge Entrepreneurs und ihre Ideen ist zwar eine fundierte Ausbildung, aber nicht viel Geld da. Nur 1,6 Milliarden an Risikokapital floss 2016 in zentral- und osteuropäische Länder. Den wachen Unternehmergeist wollen die großen Tech-Firmen trotzdem auffangen. Google hat seinen dritten europäischen Campus, also den firmeneigenen Hub, wo Entrepreneurs reifen und sich vernetzen sollen, neben London und Madrid in Warschau eröffnet.

„200.000 junge Frauen und Männer aus IT-relevanten Fachrichtungen wie Informatik, Mathematik und Ingenieurwissenschaften verlassen die osteuropäischen Universitäten jährlich, 40.000 davon alleine in Polen.“

Einiges aufzuholen haben die jungen EU-Mitgliedsländer wenn es darum geht, mit Geist, Hirn und Technik soziale Probleme zu mildern. Digitale Social Businesses sind im Einzelfall so erfolgreich wie generell spärlich gesät. Auch wenn der Sektor der Unternehmen mit sozialem Zweck insgesamt – wenn auch von niedrigem Niveau aus – wächst. Staatliche Mittel als wichtiger Kapitalgeber sind im Vergleich zu Westeuropa in Warschau oder Bukarest weniger flüssig. Rund 5.000 aller registrierten Unternehmen in Polen klassifizieren sich als Social Businesses, wohingegen das relativ kleine Österreich geschätzt zwischen 1.200 und 2.000 solcher Firmen zählt. Und trotzdem wird Zentral- und Osteuropa, dessen Wirtschaft 2017 deutlich stärker als die der alten EU angezogen hat, diesbezüglich teilweise ein Opfer seines eigenen Erfolgs. Man ist immer noch nicht so reich wie die Länder im Westen, aber im Rennen um Gelder nicht mehr arm genug.

Quellen:
Eurostat
Europäische Kommission
Weltbank
OECD
European Digital City Index
Financial Times
Venture Beat

Dieser Text und die Infografiken sind unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht: CC BY-NC-ND 3.0. Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden. Autor: Eva Konzett / erstestiftung.org, Infografiken und Illustration: Vanja Ivancevic / erstestiftung.org
Titelbild: © WinsomeMan/iStock.


Kopf und Zahl – Osteuropa im digitalen Taschenformat

14 Jahre sind vergangen, seit sich die Europäische Union in der ersten Runde Richtung Osten aufgemacht hat. Die anfängliche Euphorie ist erst dem Alltag und nun Ernüchterung auf beiden Seiten gewichen. Man ist sich manchenorts fremd geworden oder fremd geblieben, trotz der sichtbaren und verborgenen, der privaten, offiziellen und geschäftlichen Beziehungen. Trotz der vielen Gemeinsamkeiten, trotz der Wertschöpfungsketten, die keine Grenzen mehr kennen. Und manchmal genau deswegen.

Kopf und Zahl möchte im Kleinen die politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Lebensrealitäten im jüngeren Teil der EU und der Beitrittskandidaten Südosteuropas beleuchten und sie mit der westeuropäischen Verfassung zumindest in österreichischer Ausformung abgleichen. Sind diese denn wirklich immer meilenweit voneinander entfernt? Wo scheitert der Blick von oben herab?

Jenseits des Vorurteils öffnet sich eine andere Welt. Kopf und Zahl trägt sie in Bildern, Ziffern und Worten zusammen. Eine monatliche Portion Osteuropa. Im digitalen Taschenformat zum Mitnehmen.