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Aktivitäten

Kritischer Journalismus und freie Medien

Projekte für eine informierte und aufgeklärte Öffentlichkeit

1. Januar 2018

In den letzten Jahren haben sich bei vielen Menschen massive Zweifel an der Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und Unabhängigkeit traditioneller Medien eingestellt. Über die Gründe wird kontrovers diskutiert.

Oft genannt werden die Möglichkeiten der individuellen Recherche in den neuen Medien, die polarisierenden Debatten in den sozialen Medien, die wirtschaftlichen Interessen von politiknahen Medienkonzernen ohne Qualitätsanspruch und nicht zuletzt die Diffamierungen von populistischen Gruppierungen und PolitikerInnen („Fake-News!“). Lange vor diesen Entwicklungen hat die ERSTE Stiftung bereits die Notwendigkeit zur Förderung von kritischem Journalismus erkannt und mit Partnern Stipendienprogramme ins Leben gerufen. In Zukunft werden wir unsere Aktivitäten jedoch nicht nur auf die Länder Südosteuropas richten, sondern uns verstärkt auch Zentral- und Osteuropa zuwenden.


Reporting Democracy

In ganz Europa verändern populistische Bewegungen die politische Landschaft und untergraben das Vertrauen in demokratische Institutionen. In einigen Ländern gehen Regierungen gegen unabhängige Medien, die Justiz und die Zivilgesellschaft vor. Sie revidieren eine fortschrittliche Sozialpolitik und verteufeln Minderheiten und MigrantInnen. Während Nationalismus, Skepsis gegenüber Europa, Rechtsextremismus, Ungleichheit und die Ernüchterung gegenüber der Globalisierung stetig wachsen, haben sie die Grundwerte des europäischen Projekts beiseite geschoben: Pluralismus, Multilateralismus und die Achtung des Rechtsstaats. Das Resultat: Europas größter politischer Wandel seit dem Ende des Kalten Krieges. Auf dem Spiel stehen nicht nur die liberal-demokratischen Grundlagen der westlichen Nachkriegsordnung. Viele fürchten um die Demokratie als solche, wenn autoritäre Alternativen Teil des Mainstream werden.

Reporting Democracy ist eine grenzüberschreitende journalistische Plattform, die sich der Frage widmet, wohin sich die Demokratie in weiten Teilen Europas bewegt. Unabhängiger Journalismus soll Kräfte freisetzen, um die Themen, Trends und Ereignisse recherchierend zu hinterfragen, die die Zukunft der Demokratie in Mittel-, Ost- und Südosteuropa prägen.

Reporting Democracy liefert laufend Reportagen, Interviews und Analysen von KorrespondentInnen aus den einzelnen Ländern. Außerdem werden JournalistInnen vor Ort mit Reportageaufträgen und Stipendien für ausführliche Berichte und Recherchen unterstützt. Viele Artikel werden in die Landessprache übersetzt und können dank eines wachsenden Netzwerks lokaler Medienpartner mehrfach veröffentlicht werden.

Ein breites Spektrum von ExpertInnen aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft kommentiert aktuelle Themen innerhalb eines geografischen Raums, der sich über Mittel- und Osteuropa und den Balkan, von der Ostsee bis zur Ägäis erstreckt.

Die KorrespondentInnen haben ihre Büros in den Visegrad-4-Ländern – Polen, Ungarn, Slowakei und Tschechien – sowie in den Balkanstaaten Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kosovo, Kroatien, Moldau, Montenegro, Nordmakedonien, Rumänien und Serbien.

Recherchestipendien

Reporting Democracy bietet JournalistInnen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa Stipendien an, um eingehende Untersuchungen zu Fragen der Demokratie in den Visegrad-4-Ländern und auf dem Balkan durchzuführen.

Im Fokus stehen Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kosovo, Kroatien, Moldawien, Montenegro, Nordmakedonien, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei, die Tschechische Republik und Ungarn.

Reportagestipendien unterstützen ausführliche Berichte, Recherchen oder Analysen. Grenzüberschreitende Stipendien richten sich an einzelne JournalistInnen oder Teams mit Ideen für eingehende Recherchen oder Artikel mit einem starken grenzüberschreitenden Element.

Die Höhe des Stipendiums orientiert sich an der Komplexität des Rechercheprojekts.


Balkan Fellowship for Journalistic Excellence

Das Stipendienprogramm unterstützt seit 2007 investigativen Qualitätsjournalismus in Südosteuropa. Es wird von der ERSTE Stiftung in Kooperation mit dem Balkan Investigative Reporting Network (BIRN) umgesetzt.

Vladimir Kostic berichtete 2017 in seiner investigativen Story im Rahmen des BFJE über dubiose Parteispenden im serbischen Wahlkampf. Die Sonderstaatsanwaltschaft in Mazedonien klärt, anders als in Serbien, ähnliche Fälle auf. Foto: © BIRN

Balkan Fellowship for Journalistic Excellence

 

 

 

Mit dem Programm wird qualitativ hochwertige Berichterstattung sowie regionales Networking unter JournalistInnen gefördert. Ein Vertiefen ihrer Fertigkeiten und Kenntnisse, insbesondere über europapolitische Themen, soll zur einer gründlicheren Information der südosteuropäischen Öffentlichkeit beitragen. Darüber hinaus soll bei den StipendiatInnen das Interesse an der Arbeit der Medien in den Nachbarländern geweckt werden.

Jedes Jahr werden zehn erfahrene JournalistInnen aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Griechenland, Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Rumänien und Serbien von einer Jury ausgewählt. Die besten drei Reportagen werden am Ende gesondert prämiert und – wie auch weitere Artikel – in zahlreichen Qualitätsmedien veröffentlicht.


Milena-Jesenská-Stipendien für Journalistinnen und Journalisten

Das Stipendium richtet sich an JournalistInnen, die sich intensiver mit einem europäischen Kulturthema auseinandersetzen wollen. Es wurde vom Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) sowie von der European Cultural Foundation gegründet und wird von Project Syndicate und der ERSTE Stiftung unterstützt.

Die Namensgeberin Milena Jesenská (1896–1944) war zu ihrer Zeit eine herausragende tschechische Journalistin, Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie war im politischen Widerstand aktiv und wurde im Konzentrationslager Ravensbrück ermordet.

 

Partner:
Institut für die Wissenschaften vom Menschen

Weitere Informationen:
Website des Projekts


Journalismuspreis "von unten"

Journalismuspreis "von unten"

Partner:
Armutskonferenz (Österreich)
Magyar Szegénységellenes Alapítvány (Ungarische Stiftung gegen Armut)
Mazedonische Plattform gegen Armut
Reteaua Nationala Antisaracie si Incluziune Sociala / RENASIS (Rumänisches Netzwerk gegen Armut und für soziale Inklusion)
Evropska mreža protiv siromaštva – Srbija (Europäisches Netzwerk gegen Armut – Serbien)
Hrvatska mreža protiv siromštva (Kroatisches Netzwerk gegen Armut)

Weitere Informationen:
Website des Projekts in Österreich

Der Journalismuspreis „von unten“ wurde 2010 in Wien von der Armutskonferenz entwickelt. Er zeichnet jährlich jene JournalistInnen aus, die den vielen Facetten von Armut gerecht werden, Betroffene respektvoll behandeln, ihre Stimmen hör- und sichtbar machen und Hintergründe ausleuchten.Die Jury setzt sich ausschließlich aus Menschen mit Armutserfahrungen zusammen. Auch deshalb ist die Würdigung für die ausgezeichneten JournalistInnen etwas Besonderes.

Seit 2015 wird mit Unterstützung des Europäischen Armutsnetzwerks an einer internationalen Verbreitung des Preises gearbeitet. Der Journalismuspreis für respektvolle Armutsberichterstattung, der nicht mit einem Preisgeld verbunden ist, wurde inzwischen auch in Ungarn und Kroatien (gefördert von der ERSTE Stiftung), sowie in Finnland und Island verliehen. Großes Interesse zeigen Mazedonien, Serbien, die Slowakische Republik und Rumänien.