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Interview

„Lasst die LehrerInnen nicht allein!“

Jan Straka, Direktor des Programms „Lebendig Lehren“, erklärt Patrik Garaj, warum LehrerInnen nicht Schulfächer, sondern SchülerInnen unterrichten sollten.

16. Februar 2018
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„Das Schulsystem steht und fällt mit seinen LehrerInnen. Von demotivierten Lehrkräften ohne Selbstvertrauen, ohne praktische Erfahrung und ohne Zugang zu konstruktivem Feedback können wir keine Wunder erwarten.“

Lebendig Lehren (Učitel naživo), ein tschechisches Ausbildungsprogramm mit Fokus auf Praxis, gemeinsamem Lernen und Reflexion der Erfahrungen, versucht hier eine Änderung herbeizuführen. In diesem Versuchslabor wird neues Wissen geschaffen, das sodann in den Einrichtungen für LehrerInnenausbildung und im Schulsystem generell angewandt werden soll. Außerdem sollen mit dem Programm auch Menschen angesprochen werden, die einen anderen Beruf ausüben, aber gerne unterrichten würden. Ihnen soll eine anerkannte Ausbildung zum Einstieg in den Bildungssektor angeboten werden. Wir haben über dieses Projekt mit seinem Projektleiter Jan Straka gesprochen.

Nehmen wir an, dass ich seit geraumer Zeit im Medienbereich tätig bin und auf diesem Gebiet ausreichend Wissen und Erfahrung mitbringe. Ich würde nun gerne Medienbildung unterrichten, habe aber keine formelle pädagogische Ausbildung. Wäre es für die Gesellschaft von Vorteil, wenn ich mich dem Unterrichten zuwenden würde?

Die kurze Antwort ist: Ja.

Und die lange?

Hinter dieser Frage verbergen sich mindestens drei weitere Fragen. Erstens: Wie soll Bildung aussehen und welche Rolle soll sie spielen? Zweite Frage: Wer soll unterrichten und wer nicht? Und die dritte: Wie soll man Menschen auf diese Aufgabe vorbereiten? Sie erwähnten Medienbildung, damit sind wir schon mitten im Thema – bei der Rolle der heutigen Schule im Hinblick auf die geänderten sozialen Rahmenbedingungen. Früher studierten wir im Wissen, wir würden unser ganzes Leben lang einem Beruf nachgehen. Heute kann es sein, dass es den gewählten Beruf bei Abschluss des Studiums gar nicht mehr gibt.

Was sollte man von der Schule mitnehmen? Abgesehen von den Grundkompetenzen Lesen und Schreiben sollten Kinder mehr über das Lernen an sich sowie den Umgang mit Veränderungen lernen. Im heutigen Arbeitsmarkt gehen Menschen im Laufe ihres Lebens möglicherweise fünf bis zehn verschiedenen Beschäftigungen nach. Auf gesellschaftlicher Ebene erwarten wir, dass sie zu guten MitbürgerInnen werden. Wenn wir schon über Medienbildung sprechen: Sie sollten Fake News und Falschmeldungen erkennen können. Und die dritte Ebene ist eine persönliche: Die Schule sollte den Heranwachsenden zeigen, wie sie ein erfülltes Leben führen können.

Lebendig Lehren

Lebendig Lehren (Učitel naživo)  ist ein Ausbildungsprogramm für zukünftige Lehrkräfte. Die Ausbildung dauert 750 Stunden, wobei eine Hälfte intensive Praxiseinheiten umfasst und die andere Hälfte aus Reflexion der Praxiserfahrungen und Gruppentrainings besteht. Das Programm wird von der Depositum Bonum Foundation der Bank Česká spořitelna in Zusammenarbeit mit der Duhovka Group organisiert. Im Jahr 2016 fand eine erste Pilotphase mit Studierenden statt, das Programm selbst wurde im März 2017 gestartet.

Jan Straka ist Projektleiter der Depositum Bonum Foundation der Česká spořitelna. Gemeinsam mit Martin Kozel leitet er das Lebendig-Lehren-Programm. Er studierte Politikwissenschaften an der Harvard University (Bachelor-Abschluss).

Sprechen wir über die Frage, wer unterrichten soll. Bedeutet ein Mangel an LehrerInnen, dass sich der Lehrerberuf öffnen muss?

Der Lehrerberuf muss sich auf jeden Fall öffnen. In der Tschechischen Republik herrscht bei einigen Unterrichtsfächern bereits ein Mangel an Lehrkräften. Es gibt nicht genug LehrerInnen für Physik, Informatik und Sprachen. Die ältere Generation der Baby Boomer wird außerdem in den nächsten fünf Jahren in Pension gehen. Viele von ihnen haben bereits das Pensionsalter erreicht.

Die Frage ist daher nicht, ob sich der Lehrerberuf öffnen muss, sondern wann. Es gibt zwei extreme Positionen: Die einen glauben, dass nur ausgebildete LehrerInnen unterrichten können, und die anderen denken, dass jede/r unterrichten kann und die Ausbildung nicht wichtig ist. Wir liegen mit unserer Position in der Mitte.

Wir glauben, dass das Bildungssystem offener sein sollte, aber auch dass LehrerInnen eine gute Ausbildung brauchen. Aus diesem Grund haben wir unser Projekt ins Leben gerufen.

In jeder Gesellschaft sollte es ein Bildungssystem geben, das genügend LehrerInnen hervorbringt. Worin liegt heutzutage das Hauptproblem?

Das Hauptproblem ist Geld. Ein LehrerInnengehalt steht in keinem Verhältnis zu dem Gehalt, das andere UniversitätsabsolventInnen lukrieren. Tschechien und die Slowakei schneiden in dieser Hinsicht unter allen OECD-Ländern am schlechtesten ab. Das hat natürlich einen Einfluss darauf, wer sich für ein Lehramtsstudium und den Lehrerberuf entscheidet. Andererseits müssen wir uns auch fragen, inwieweit die LehrerInnenausbildung Studierende zu exzellenten LehrerInnen macht – ein Punkt, der uns besonders am Herzen liegt.

Wer sollte die erforderlichen Änderungen anstoßen? Ist das eine Aufgabe für den Staat oder eher für Initiativen der Basis?

Wir haben uns für einen Start an der Basis entschieden. In Tschechien darf man nach drei plus zwei Jahren Studium, üblicherweise an einer pädagogischen Fakultät, oder auch nach Abschluss eines beliebigen Masterstudiums plus der Lehrveranstaltung „pädagogische Grundlagen“ unterrichten. Mit unserem Programm bieten wir eine qualitativ hochwertige pädagogische Basisausbildung sowohl hinsichtlich der Inhalte als auch der eingesetzten innovativen Ausbildungsmethoden. Die Frage, wo man anfangen soll, stellen wir uns nicht – wir machen es einfach. Wir schaffen ein Versuchsumfeld, in dem wir ausprobieren können, was funktioniert und was nicht, und wie wir Einzug in das System finden können. Nach nur einem Jahr können wir bereits sichtbare Erfolge verzeichnen: Mehr und mehr LehrerInnenbildungsanstalten sind zur Kooperation bereit, das System beginnt sich zu ändern.

Der Fokus des Programms liegt auf Praxisvermittlung. Warum denken Sie, dass hier das Hauptproblem liegt?

Wir haben unser Programm in Zusammenarbeit mit der Depositum Bonum Foundation gestartet. Im Rahmen dieser Stiftung haben wir schon längere Zeit mit LehrerInnen gearbeitet. Oft mussten wir feststellen, dass der Anteil der Praxiseinheiten während des Studiums sehr gering ist. Normalerweise haben Lehramtsstudierende zwei Wochen Praxis im vierten Jahr und vier Wochen im fünften. Studierende wünschten sich aber mehr Praxiseinheiten, um mehr Erfahrungen im praktischen Unterrichten zu sammeln. Wir wissen aus internationalen Untersuchungen, dass der Anteil der Praxiseinheiten in der LehrerInnenausbildung in den besten Bildungssystemen bis zu 40 % ausmacht, wohingegen der Anteil in Tschechien nur bei 3 % bis 10 % liegt. Wir haben versucht, an den Universitäten Neuerungen einzuführen, kamen aber aufgrund der Grenzen des Systems nicht weit.

Der Anteil der Praxiseinheiten in der LehrerInnenausbildung in den besten Bildungssystemen macht bis zu 40 % aus, wohingegen der Anteil in Tschechien nur bei 3 % bis 10 % liegt.

Daher entschlossen wir uns zu einem ganz anderen Zugang. Wir haben eine Gruppe von an Pädagogik interessierten Menschen zusammengebracht, darunter auch bekannte internationale ExpertInnen auf dem Gebiet. Unsere Idee war es, ein komplett neues LehrerInnenausbildungsprogramm ins Leben zu rufen, das zu einem Großteil auf Praxis und Reflexion fußt. Wir glauben, dass Unterrichten von Erfahrung zehrt. Man erlebt etwas, denkt darüber nach, entwickelt neue Ideen, verknüpft sie mit der Theorie, setzt sie in die Praxis um und der Lernprozess beginnt wieder von vorne. Unsere Studierenden verbringen zwei Tage pro Woche an einer Schule, wo sie gemeinsam mit einer erfahrenen Lehrerin, einem erfahrenen Lehrer unterrichten. An den Freitagen wird einerseits gemeinsam über die gemachten Erfahrungen reflektiert und andererseits theoretischer Unterricht angeboten.

Die Ausbildung findet in realen Schulklassen statt. Sind Schulen bereit zu kooperieren?

Die Schulen sind für uns von signifikanter Bedeutung, da unsere Studierenden mehr als die Hälfte ihrer Ausbildungszeit dort verbringen. Die Schulen, mit denen wir kooperieren, befinden sich alle in Prag und Umgebung und sind äußerst hilfreich. Wir haben das Glück, dass viele Schuldirektionen unsere Philosophie teilen. Sie sind nicht glücklich mit den LehramtsabsolventInnen, die bei ihnen zu arbeiten beginnen. Deshalb bieten sie unseren Studierenden ausgezeichnete Bedingungen.

Jan Straka, Projektleiter von Lebendig Lehren (Učitel naživo) am Duhovka Institut, Prag, Foto: Tomáš Novák

Wenn wir davon sprechen, dass sich das Bildungssystem öffnen soll, dann könnte der Eindruck entstehen, dass jede/r für den Lehrerberuf geeignet ist. Welche Voraussetzungen müssen Interessierte mitbringen, die keinen Lehramtsabschluss vorweisen können?

Alle BewerberInnen sollten einen Studienabschluss auf einem Gebiet vorweisen können, das dem Unterrichtsfach entspricht, das sie unterrichten möchten. Eine Person, die Physik studiert hat, kann also nicht Geschichte unterrichten, es muss schon einen Zusammenhang geben. Allerdings macht die tschechische Gesetzgebung keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Qualifikationen, die Entscheidung obliegt letztlich der Schuldirektion, wer was unterrichtet. Physik wird daher oft von SportlehrerInnen unterrichtet, da es nicht genug Lehrkräfte mit der richtigen Spezialisierung gibt. Unserer Meinung nach sollten jedoch IT-ExpertInnen Informatik unterrichten und Sozialkunde jemand mit einem Abschluß in Philosophie oder Soziologie.

Beruht das Ausbildungsprogramm auf einer bestimmten Methodik?

Es beruht auf mehreren Kernpunkten. Der erste ist der Fokus auf Praxis und Reflexion, wie bereits erwähnt. Uns hat der von Fred Korthagen in den 1980er-Jahren entwickelte Ansatz inspiriert, der auf Reflexion basiert. Dieser Ansatz beruht auf der Annahme, dass schulisches Erleben bei Schülerinnen und Schülern Bedürfnisse hervorruft und Fragen aufwirft, die sodann in der Klasse besprochen werden sollten. Hinsichtlich der Organisation der Lehrveranstaltungen holten wir uns Anregungen von der in Großbritannien angebotenen einjährigen Ausbildung für Bachelorabsolventinnen und ‑absolventen, die den Lehrerberuf ergreifen wollen. Die von Milan Hejný propagierte Lehrmethode für Mathematik kommt unserer Vision ebenso sehr nahe. Für uns steht generell die Praxis im Vordergrund. Wir konzentrieren uns auf die Persönlichkeit unserer Studierenden und wollen aus ihnen „BildungsanleiterInnen“ machen. Darunter verstehen wir, dass sie förderliche Bedingungen für die kindliche Entwicklung schaffen. Obwohl Bildung anhand verschiedener Unterrichtungsfächer vermittelt wird, ist ein wichtiger Punkt, dass LehrerInnen Kinder unterrichten und nicht Schulfächer. Das Hauptziel ist das Unterrichten von Kindern mittels verschiedener Unterrichtsfächer. Und nicht umgekehrt.

Welche Konsequenzen hat die mangelnde Praxis in der LehrerInnenausbildung?

Die AbsolventInnen wissen nicht, wie sie unterrichten sollen.

Lassen Sie es mich konkreter formulieren: Manche Lehrkräfte finden vielleicht die tägliche Kommunikation mit ihren SchülerInnen schwierig. Sie wissen nicht, wie sie Konflikte unter ihnen lösen und ihre Aufmerksamkeit fokussieren sollen.

Das sind genau die Hauptpunkte, mit denen sich unsere Studierenden herumschlagen und die auch häufig von LehramtsabsolventInnen am Beginn ihrer beruflichen Tätigkeit genannt werden. Sie fragen sich, wie sie ein friedvolles Umfeld in der Klasse und geeignete Rahmenbedingungen für das Unterrichten und Lernen schaffen können. Sie sind vielleicht hervorragend mit individualisiertem Lernen vertraut und kennen auch schwierigere Arbeitsaufgaben für Kinder, können sie aber nicht umsetzen, weil es im Klassenzimmer zu laut ist. All diese Dinge lassen sich relativ einfach in den Griff bekommen. Zu Beginn des Lehrgangs konzentrieren wir uns daher auf Kommunikation und Feedback. Unsere Studierenden haben den Vorteil, mit erfahrenen LehrerInnen arbeiten zu dürfen, die wissen, wie man solche Probleme bewältigt. AbsolventInnen werden jedoch oft einfach ins kalte Wasser geworfen und sollen dann schwimmen. Manche gehen dabei unter.

AbsolventInnen werden oft ins kalte Wasser geworfen und sollen dann schwimmen. Manche gehen dabei unter.

Das Pilotjahr ist abgeschlossen. Was sind die Erkenntnisse daraus und wie sind die Reaktionen der TeilnehmerInnen?

Wir wurden darin bestätigt, dass unser Ansatz funktioniert. Das Feedback unserer Studierenden war positiv, sie fanden das Programm sinnvoll. Es kommen sogar Pädagogik-Studierende aus anderen Teilen des Landes nach Prag, nur damit sie an unserem Programm teilnehmen können. Der schönste Beleg für die Sinnhaftigkeit ist jener, dass unsere Studierenden in ihrer Freizeit zu uns kommen und davon profitieren. Sie werten den praktischen Teil der Ausbildung äußerst positiv, da sie dadurch Praxis gewinnen und verschiedene Situationen durchleben können. Gleichzeitig werden sie von einer Lehrerin oder einem Lehrer und erfahrenen Vortragenden angeleitet. Außerdem finden Gruppensitzungen statt, bei denen sie gemeinsam alle gemachten Erfahrungen besprechen können. Obwohl sie sich auf unterschiedliche Gebiete spezialisiert haben, betreffen die besprochenen Punkte doch alle. Die Studierenden beurteilten diese Möglichkeit des Erfahrungsaustausches sehr positiv.

Was wahrscheinlich an regulären Schulen selten so ist.

Etwas, was man an Schulen unbedingt ändern muss, ist, dass LehrerInnen mit ihren Problemen alleine gelassen werden. Wir haben mit Physiklehrkräften gearbeitet und Möglichkeiten zum Informationsaustausch mit KollegInnen geschaffen. Dabei sind uns Geschichten untergekommen, wo LehrerInnen seit zwanzig Jahren mit niemandem über ihre Probleme gesprochen haben und niemand jemals in ihre Klasse kam. Das ist einfach unglaublich! Heutzutage suchen die meisten Unternehmen teamfähige Angestellte und die meiste Arbeit wird auch in Teams erledigt. Schulen sollten diese Fertigkeiten vermitteln, bieten aber keine Möglichkeiten zur Teamarbeit an. Deswegen ist das Unterrichten im Tandem eine der Hauptsäulen unserer Methode. Studierende unterrichten gemeinsam mit erfahrenen Lehrkräften, wovon beide Seiten profitieren. Erfahrene LehrerInnen erhalten die Möglichkeit, ihre Arbeit von einer anderen Perspektive aus zu betrachten.

Lebendig Lehren-Workshop: LehrerInnen lernen, wie man lehrt. Foto: Učitel naživo

In letzter Zeit gab es Diskussionen über die Bedeutung des Unterrichtens und Schulen mussten für ihr Beharren auf das Lernen und Vermitteln von Fakten Kritik einstecken. Werden diese Themen auch angesprochen?

Wir führen mit unseren Studierenden laufend Diskussionen über die Ziele von Bildung. Unser Ansatz entspricht der Bildungsziel-Pyramide von Professor Hejný. Zuoberst stehen moralische Ziele, gefolgt von wissensbasierten Fertigkeiten und Zielen. Wir wollen, dass unsere Lehrinnen und Lehrer, unsere Schülerinnen und Schüler gute Menschen sind, Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, die ihnen dabei helfen, am Arbeitsmarkt und in persönlichen Beziehungen zu bestehen. Das angeeignete Wissen selbst ist hierbei von nachrangiger Bedeutung. Unsere Ausbildung entspricht diesen Vorgaben. Die reine Wissensvermittlung nimmt einen geringen Raum ein, wir konzentrieren uns auf praktische Fertigkeiten und moralische Komponenten.

Welche Zukunft sehen Sie für das Projekt?

Wir wollen mit unserem Projekt mehr Menschen ansprechen. Wir wollen nicht nur ein internes Programm für 50 oder 100 Studierende, wo wir immer wieder das Gleiche anbieten. Wir wollen eine Art von Unterrichten, die uns interessant und wichtig erscheint, für so viele Kinder wie möglich. Daher bringen wir immer wieder neue Ideen ein und evaluieren unser Programm gleichzeitig auch sehr genau. Dank privatem Sponsoring können wir auch unter einzigartigen Bedingungen arbeiten. Wir können Neuerungen einführen, was sich für alteingesessene Universitäten weitaus schwieriger gestaltet. Wir haben von Anfang an mit Lehrerausbildungseinrichtungen zusammengearbeitet und wollen für sie auch Möglichkeiten zur Anwendung unseres Modells schaffen. Momentan stehen wir vor der Unterzeichnung eines Memorandums mit der Pädagogischen Fakultät an der Universität Hradec Králové (Königgrätz), die 2018 einen unserem Ausbildungsprogramm ähnlichen Lehrgang anbieten soll. Beginnend mit Herbst 2017 geben wir Studierenden der Pädagogischen Fakultät in Prag die Möglichkeit einer Lehramtspraxis mit Teach Live. Außerdem sind wir mit der Universität Pardubice und der Masaryk-Universität in Brünn im Gespräch.

Kann man also sagen, dass es nicht die Absicht ist, eine Parallelwelt zu schaffen, sondern die Dinge dort anzupacken, wo es notwendig ist?

Genau. Es ist nicht die Aufgabe des Non-Profit-Sektors und privater Initiativen, das staatliche System zu ersetzen. Das wäre auch nicht möglich. Der Non-Profit-Sektor kann Anregungen geben, Innovationen vorschlagen und Verbindungen herstellen, die dem System das Umsetzen von Neuerungen erlaubt. Unser Programm war von Anfang an darauf ausgerichtet. Wir haben einen akademischen Expertenausschuss gebildet, der aus Vertreterinnen und Vertretern von Universitäten des Landes besteht, und wir führen auch mit dem Ministerium Gespräche, wie wir unser Programm verbreiten könnten. Wir vermeiden jegliche Trennung in ein „Wir“ und ein „Die anderen“. Bildung geht uns alle an.

Original auf Slowakisch. Publiziert am 15. Juni 2017 im slowakischen Wochenmagazin TREND. Übersetzung aus dem Englischen von Margit Hengsberger und Barbara Maya

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt:  © Patrik Garaj. Bei Interesse an Wiederveröffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der Redaktion. Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild: Zeichnungen der TeilnehmerInnen eines Lebendig Lehren Workshops, Foto: © Učitel naživo