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Fakten

Was bringt’s?

Im Fokus: Wirkungsanalyse der ERSTE Stiftung

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Was bringen die Projekte und Aktivitäten der ERSTE Stiftung? Wer hat einen Nutzen davon? Welcher Art sind die konkreten Wirkungen? Wo ist die ERSTE Stiftung besonders wirkungsvoll? Fragen dieser Art begleiteten ein Projektteam im Jahr 2016, das sich eingehend mit den Wirkungen von wesentlichen Projekten der ERSTE Stiftung auseinandersetzte. Es handelte sich um ein gemeinsames Projekt mit dem NPO & SE Kompetenzzentrum der WU Wien.

Warum beschäftigt sich eine Stiftung überhaupt mit Wirkungen? Das Thema Social Impact und Wirkungsmessung boomt insgesamt. Dies liegt zum einen an der organisationalen Entwicklung von Non-Profit-Organisationen (NPOs) und (Sozial-)Unternehmen, andererseits erfolgt die Vergabe öffentlicher Gelder zunehmend unter der geforderten Wirkungsorientierung in der Haushaltsführung. NPOs, als ausführende Dienstleister in der Bereitstellung (halb)öffentlicher Güter, müssen daher zunehmend ihre Wirksamkeit nachweisen. Eine Stiftung hat zudem, wie NPOs ganz allgemein, eine bestimmte Mission zu erfüllen. Diese Mission besteht selten darin, eine gewisse Anzahl an Leistungsstunden mit möglichst wenig finanziellem Einsatz zu erbringen.

„Warum beschäftigt sich eine Stiftung überhaupt mit Wirkungen?“

Wirkungsorientiertes Denken, Messen und, wo möglich, Steuern trifft somit den Kern der Aktivitäten von NPOs generell und einer Stiftung im Besonderen besser. Zudem geht es um die Frage nach dem Erfolg, also dem Eintreten einer absichtsvoll angestrebten Wirkung. Welche angestrebten Ziele bzw. Wirkungen wurden in welchem Umfang erreicht? Unternehmen tun sich hier mit einem Fokus auf finanziellen Gewinn leichter. Organisationen, die jenseits der finanziellen Gewinnmaximierung arbeiten und gesellschaftlichen Mehrwert anstreben, müssen sich auf differenziertere Art legitimieren.

Wie kann bei einer Wirkungsanalyse vorgegangen werden?

Im Grunde gibt es eine Reihe von Herangehensweisen, wie Wirkungen gedacht, gemessen und bewertet werden können. Der grundlegende Ansatz im vorliegenden Projekt war, ein Wirkungsmodell aufzustellen, das die unterschiedlichen Projekte und deren Stakeholder berücksichtigt. Stakeholder sind Anspruchsgruppen der Organisation, die einen Nutzen aus deren Bestand haben (können), und müssen in eine fundierte Form der Wirkungsanalyse inkludiert werden. Entsprechend wurden hier für alle Stakeholder Wirkungsketten erarbeitet. Eine allgemeine Wirkungskette ist in Abbildung 1 dargestellt. Unter Verwendung von Ressourcen, die zumeist nicht unwesentlich finanzielle Mittel inkludieren, werden Aktivitäten bzw. Leistungen durchgeführt. Diese sind in der Regel nicht Selbstzweck, sondern dienen dazu, die in der Mission definierten Wirkungen zu erreichen. Wirkungen entfalten sich somit aus der Leistungserstellung. Leistungen sind den Wirkungen vorgelagert und lassen sich anhand des Outputs der Organisation abbilden, der meist direkt erhebbar bzw. messbar ist.

„Wirkungen können intendiert oder nicht intendiert sein.“

Wirkungen bezeichnen im Gegensatz dazu jene positiven und/oder negativen Veränderungen, die an Begünstigten bzw. Betroffenen (z. B. Menschen, Gruppen, Gesellschaft) nach erbrachter Aktivität bzw. konsumierter Leistung oder in der Umwelt festzustellen sind. Stehen die Wirkungen im Fokus, wird es nochmals komplexer. Wirkungen können intendiert oder nicht intendiert sein. Sind sie intendiert, also für den angestrebten Erfolg wesentlich, handelt es sich um geplantes zielorientiertes Handeln. Sind sie nicht intendiert, können sie dennoch bedeutsam sein und einen positiven oder auch negativen Einfluss auf die Gesamtwirkung der gesetzten Aktivitäten bzw. erbrachten Leistungen haben.

Dies ist von zentraler Relevanz hinsichtlich der Art und Breite einer allfälligen Wirkungsanalyse. Wird nur auf intendierte Wirkungen fokussiert, handelt es sich um einen zielbasierten Ansatz. Im vorliegenden Fall ruhte der Fokus auf intendierten, also erwünschten Wirkungen. Was auch ohne Zutun der ERSTE Stiftung geschehen wäre, hier Deadweight genannt, wurde nur eingeschränkt berücksichtigt.

Nachdem jedes der 15 inkludierten Projekte eine Reihe von Stakeholdern hat, wurde rasch die hohe Komplexität der Wirkungen der ERSTE Stiftung sichtbar. Die gesamte Komplexität zeigte sich, als eine fertig erstellte Mindmap mit allen Wirkungsketten am Ende des Prozesses geöffnet und ausgebreitet am Tisch lag. Ein angefertigter Ausdruck bedeckte den gesamten Konferenztisch. Diese logisch durchdachten Wirkungszusammenhänge können nun von den einzelnen ProjektmanagerInnen für strategische Überlegungen, projektspezifische Wirkungsüberlegungen und eigene projektspezifische Wirkungserhebungen herangezogen werden.

Für die Stiftung insgesamt war jedoch zur Wahrung der Übersichtlichkeit als nächster Schritt eine Verdichtung erforderlich. Diese erfolgte über eine Zusammenfassung der vielfältigen ähnlichen Stakeholder in sinnvolle Gruppen und über die Clusterung der vielen Einzelwirkungen zu wesentlichen Wirkungsdimensionen. Beides wurde zudem priorisiert. Solcherart blieb der bunte Vogel erhalten, wurde aber leichter beobachtbar.

Das in Abbildung 2 ersichtliche Wirkungsmodell für die ERSTE Stiftung zeigt die verdichteten und priorisierten Stakeholdergruppen sowie deren Input und Wirkungen anhand von Beispielen. Die Aktivitäten der Projekte sowie der daraus resultierende Output sind als übergreifende Leistungen für alle Stakeholder zu verstehen, aus denen dann die jeweiligen Wirkungen resultieren. Direkt Begünstigte geben als Input keine finanziellen Mittel, aber sehr wohl Engagement. Sie profitieren durch die Aktivitäten der ERSTE Stiftung beispielsweise durch Wissensaufbau und Know-how und soziale Inklusion.

Nicht alle Wirkungen treten in jedem Projekt und im Projektvergleich schon gar nicht in gleichem Ausmaß ein. Das ist auch gar nicht nötig. Es geht um das Gesamtkunstwerk, die Summe aller Wirkungen. Wie umfangreich diese nun sind und wie sehr die eine oder andere Wirkung Relevanz entfaltet, können zukünftige Erhebungen zeigen, die im Rahmen des Projektes vorbereitet wurden.

Zusammengefasst wird deutlich, dass die ERSTE Stiftung in den letzten Jahren mit vielen Projekten eine breite Wirkungsvielfalt bei ganz unterschiedlichen Gruppen adressiert hat. Die nun abgeschlossene Wirkungsanalyse kann dabei helfen, den Fokus zu schärfen und strategische Prioritäten zu setzen.


[1] Schober, Christian/Rauscher, Olivia (2014): “Was ist Impact? Gesellschaftliche Wirkungen von (Nonprofit) Organisationen. Von der Identifikation über die Bewertung bis zu unterschiedlichen Analyseformen.”, Working Paper, NPO & SE Kompetenzzentrum der WU Wien. Download [Zugriff am 05.01.2017]