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Fakten

Wie stehen Sie zur Europäischen Union?

Eine Studie offenbart sechs politische Gruppen in Europa mit unterschiedlichen Haltungen zur EU und deren Zukunft. Zu welcher gehören Sie?

1. Dezember 2017
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Chatham House und Kantar Public haben mehr als 10.000 europäische BürgerInnen zu ihren Ansichten über die EU und aktuelle politische Themen befragt. Nach Auswertung der Daten konnten sechs politische Gruppen identifiziert werden, die über nationale Grenzen hinweg ähnliche Meinungen und Lebenserfahrungen teilen. Machen Sie den Test und finden heraus, zu welcher Gruppen Sie am ehesten gehören. 

Chatham House Briefing: Europäische Gruppen

Chatham House hat eine Website mit sämtlichen Ergebnissen der Studie zu den europäischen Gruppen in 9 Sprachen erstellt. Die Ergebnisse und die der Umfrage zugrunde liegenden Parameter sind in einem Briefing in englischer Sprache zusammengefasst.

Autoren: Thomas Raines, Matthew GoodwinDavid Cutts

Zum Download:
Europe’s Political Tribes. Exploring the Diversity of Views Across the EU

Die Forscher von Chatham House haben sechs politische Gruppen identifiziert, die über nationale Grenzen hinweg ähnliche Meinungen und Lebenserfahrungen teilen. Diese Gruppen wurden anhand einer Umfrage entwickelt, die in Zusammenarbeit mit Kantar Public durchgeführt wurde. Es wurden mindestens 1000 Online-Interviews pro Mitgliedstaat über Lightspeed Forschungs-Panels durchgeführt. Bezüglich Alter, Geschlecht und Region wurden Quoten verwendet, Abweichungskorrekturen erfolgten per nachträglicher Gewichtung. Diese Meinungsumfrage wurde im Dezember 2016 und Januar 2017 in einer repräsentativen Stichprobe der Bevölkerung von 10 europäischen Mitgliedstaaten durchgeführt (Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Italien, Polen, Spanien sowie Vereinigtes Königreich). Die gesamte Stichprobe betrug 10195.

Welche Haltung haben Sie zur Europäischen Union?

Sind Sie Föderalist oder Austeritätsrebell? Sind Sie mit der EU zufrieden oder lehnen Sie sie ab?

Der Test verwendet acht Fragen aus der ursprünglichen Umfrage, um die Testteilnehmer einer Gruppe zuzuordnen. Untersuchen Sie die Umfragedaten, um zu sehen, wie die Befragten in den einzelnen Ländern geantwortet haben, und um mehr über das Verhaltensprofil der einzelnen Gruppe zu erfahren.

 

DIE ERGEBNISSE DER EINZELNEN GRUPPEN:

Zögerliche EuropäerInnen

Zögerliche EuropäerInnen brauchen überzeugende Argumente in Bezug auf die EU. Es ist die zahlenmäßig größte Gruppe. Zu vielen Themen haben sie keine klare Haltung. Mit ihrem Leben mäßig zufrieden, haben sie durchschnittlich viele soziale Härten erfahren und sind überzeugt, ihr Leben einigermaßen im Griff zu haben. Viele beziehen ein nur mäßiges Einkommen. Diese Gruppe hat den höchsten Frauenanteil. Häufiger als die anderen steht diese Gruppe dem politischen Geschehen gleichgültig gegenüber. Ihre Mitglieder sind allerdings mit am seltensten davon überzeugt, ihr Land habe von der Einwanderung profitiert. Viele stellen die nationale Souveränität über eine stärkere europäische Integration – die meisten von ihnen wollen einige Befugnisse zurück auf nationaler Ebene sehen. Besonders häufig aber stehen sie der EU gleichgültig gegenüber.

Höchstwahrscheinlich:
Überzeugt, zur politischen Mitte zu gehören

Am wenigsten wahrscheinlich:
Im Ruhestand

© Chatham House 2017

Zufriedene EuropäerInnen

Zufriedene EuropäerInnen sind optimistisch, pro-europäisch und mit dem Status quo zufrieden. Sie sind von den positiven Auswirkungen der Mitgliedschaft in der EU überzeugt und stolz, EuropäerInnen zu sein. Viele sind jung, häufig zwischen 18 und 29 Jahre alt und oft StudentInnen. Eine überwiegend sozial-liberale Gruppe. Generell sehen diese EuropäerInnen die EU positiv und vertrauen ihr. Die positiven Aspekte der Einwanderung nehmen sie überdurchschnittlich häufig wahr. Im Durchschnitt fühlen sie sich gut über die Arbeitsweise einer in ihren Augen demokratischen EU informiert. Häufiger als in jeder anderen Gruppe bewerten sie das Machtverhältnis zwischen der EU und den Mitgliedstaaten als ausgeglichen. Insgesamt allerdings stehen sie der Idee, eines Tages in den “Vereinigten Staaten von Europa” zu leben, eher kritisch gegenüber.

Höchstwahrscheinlich:
StudentIn

Am wenigsten wahrscheinlich:
Verschulden sich, um Rechnungen zu bezahlen

© Chatham House 2017

EU‑AblehnerInnen

EU-AblehnerInnen verspüren Wut über die Politik und die EU. Die Mitglieder dieser Gruppe haben am wenigsten das Gefühl, persönlich von der EU profitiert zu haben oder sich mit ihren EU-Nachbarn solidarisch zu fühlen. In Bezug auf die EU verspüren sie Wut, Abscheu, Angst oder Pessimismus. Eine große Mehrheit von ihnen ist der Ansicht, die EU sei undemokratisch. Nahezu jede/r in dieser Gruppe hält die EU für zu mächtig. Die meisten sind überzeugt, die Einwanderung sei schlecht für ihr Land gewesen und viele wollen, dass sie gestoppt wird. Des Weiteren sind sie am ehesten bereit, die Todesstrafe zu unterstützen und sich gegen eine gleichgeschlechtliche Ehe auszusprechen, obwohl sie in dieser Frage gespalten sind. EU-AblehnerInnen sind vorwiegend mittleren Alters, nur wenige sind jung. Überdurchschnittlich oft sind sie als HandwerkerInnen oder freiberuflich tätig und pflegen freundschaftliche Beziehungen zu Leuten aus der Arbeiterschicht. Viele haben ein geringes Einkommen, es gibt aber auch eine größere Gruppe wohlhabender EU-AblehnerInnen.

Höchstwahrscheinlich:
Unterhalten Freundschaften nur mit Landsleuten

Am wenigsten wahrscheinlich:
Auf eine Hochschule gegangen

© Chatham House 2017

Frustrierte Pro‑EuropäerInnen

Frustrierte Pro-EuropäerInnen wünschen sich eine EU, die von progressiven Werten vorangetrieben wird, sehen dies aber derzeit nicht umgesetzt. Ihrer Ansicht nach sollten der EU weiter reichende Befugnisse überantwortet werden, viele können die Vorteile einer EU-Mitgliedschaft aber nicht erkennen. Frustrierte Pro-EuropäerInnen stehen politisch eher links. Generell befürworten sie einen gemeinsamen Ansatz zur Bewältigung der Flüchtlingskrise und die Idee, dass reichere Mitgliedstaaten den ärmeren helfen. Insgesamt sehen diese BürgerInnen die Einwanderung aber kritischer als andere Pro-EuropäerInnen. Viele schätzen die EU als nur mäßig demokratisch ein. Die Mitglieder dieser Gruppe verteilen sich recht gleichmäßig auf alle Altersgruppen, arbeiten häufig in nicht-manuellen Jobs und finden ihre FreundInnen vor allem in der Arbeiter- oder unteren Mittelschicht.

Höchstwahrscheinlich:
zwischen 30 und 45 jahre alt

Am wenigsten wahrscheinlich:
Aus dem Vereinigten Königreich stammend

© Chatham House 2017

AusteritätsrebellInnen

AusteritätsrebellInnen sind unzufrieden mit der Politik und der EU. Sie haben kaum Vertrauen in die Demokratie in der EU und nur wenige denken, dass sie von der EU profitiert haben. Mitglieder dieser Gruppe sind häufiger arbeitslos als die Mitglieder der anderen Gruppen und haben überdurchschnittlich häufig soziale Härten erlebt. Viele von ihnen leben in den Mitgliedstaaten, die besonders hart von den Auswirkungen der Wirtschaftskrise getroffen wurden. Die meisten sind nicht stolz darauf, EuropäerInnen zu sein und wollen, dass die Befugnisse von der EU an die Mitgliedstaaten zurückgegeben werden. Mitglieder dieser Gruppe gehören auch zu denjenigen, die am ehesten der Meinung sind, dass reichere Mitgliedstaaten ärmere Mitgliedstaaten unterstützen sollten, und dass Staaten einen angemessenen Anteil an Flüchtlingen aufnehmen sollten. Die Menschen in dieser Gruppe werden sich wegen der EU wahrscheinlich wütend, angewidert, ängstlich und pessimistisch fühlen.

Höchstwahrscheinlich:
Arbeitslos

Am wenigsten wahrscheinlich:
Überzeugt, dass harte Arbeit zum Erfolg führt

© Chatham House 2017

FöderalistInnen

FöderalistenInnen befürworten mehr Integration und unterstützen einen möglichen Zusammenschluss zu den “Vereinigten Staaten von Europa”. Es handelt sich hierbei um die wohlhabendste Gruppe mit dem höchsten Männeranteil. Das Geschlechterverhältnis ist besonders unausgewogen. Im Durchschnitt ist diese Gruppe älter als die anderen und zählt die meisten RuheständlerInnen. Diese BürgerInnen sind überzeugt, von der EU profitiert zu haben und sind mit ihrem Leben sehr zufrieden. Sie bewerten Einwanderung positiver als andere. Diese Gruppe tendiert dazu, etwas links von der Mitte des politischen Spektrums zu stehen. Sie fühlen sich glücklich und zuversichtlich in Bezug auf die EU. Die Mitglieder haben in der Regel eine universitäre Ausbildung und viele FreundInnen aus anderen Ländern und sind gut vernetzt in alle Richtungen.

Höchstwahrscheinlich:
Sprechen drei oder mehr Sprachen

Am wenigsten wahrscheinlich:
Haben soziale Härten erfahren

© Chatham House 2017

Die Studie kam mit Unterstützung der Stiftung Mercator, der Robert Bosch Stiftung, der König Baudouin Stiftung und der ERSTE Stiftung zustande.

Die Recherche und die zugehörige Website und alle Materialien wurden von Chatham House ursprünglich in englischer Sprache produziert. Übersetzungen aus dem Englischen in andere Sprachen werden als Service für Interessierte angeboten. Wenn jedoch Texte dieser Website oder zugehörige Materialien in englischer Sprache mit dem Text in übersetzten Versionen nicht übereinstimmen, gilt der englische Originaltext.

Titelbild: © Niccolò Caranti (flickr, Lizenz: CC BY-NC 2.0)