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Herkunft und Geschichte

Alles begann 1819 mit der ersten österreichischen Sparkasse.

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Lange bevor wir – 2003 – eine Stiftung und ein starker Partner der Zivilgesellschaft in Europa wurden, waren wir selbst ein Social Business. 1819 gründete eine Gruppe von Wiener Bürgern einen privaten Verein, um einfachen Leuten die Möglichkeit zu geben, für die Zukunft vorzusorgen und für sich und ihre Familien eine sichere und unabhängige Existenzgrundlage aufzubauen. Geführt wurde dieser Verein von engagierten Freiwilligen in einem Armenviertel. Er war innovativ und offenkundig nachhaltig und nannte sich „Erste oesterreichische Spar-Casse“.

Die ERSTE Stiftung ist im Jahr 2003 aus der Ersten Österreichischen Spar-Casse hervorgegangen. 1819 eröffnete dieser Sparkassenverein die erste Bank in Wien für Privatkunden, denen bis dahin die Möglichkeit, selbst für ihre Zukunft vorzusorgen, verwehrt war.

Anlässlich des 50-Jahre-Jubiläums der Ersten Österreichischen Spar-Casse 1869 wurde die Komposition einer Polka bei Eduard Strauß, dem jüngsten Sohn von Johann Strauss und dem jüngeren Bruder des berühmten Johann Strauss Sohn, in Auftrag gegeben. Der Titel der Polka lautet „Die Biene“. Hören Sie sich die Polka hier an:

Der Begründer: ein katholischer Pfarrer

Der Begründer der Ersten österreichischen Spar-Casse war ein visionärer, sozial engagierter Vertreter der Kirche. Johann Baptist Weber war zur Biedermeierzeit katholischer Pfarrer in der Wiener Vorstadtgemeinde St. Leopold. Davor war er Diakon in Wien-Lichtental – zu einer Zeit, als Franz Schubert dort seine sakralen Werke zur Aufführung brachte – und Kaplan in St. Peter im Zentrum der Stadt, wo in unmittelbarer Nähe 1823 die Zentrale der Ersten österreichischen Spar-Casse entstehen sollte.

Johann Baptist Weber wurde 1786 in Wien geboren und war ein Social Entrepreneur, lange bevor dieser Begriff überhaupt existierte. Er gründete mehrere soziale Einrichtungen, darunter einen Kindergarten, ein Armenhaus und zwei Schulen, eine davon eine reine Mädchenschule. Er war 33 Jahre alt, als er die Idee hatte, mithilfe wohlhabender Bürger eine Bank für bedürftige Menschen zu gründen. Nach der Errichtung der Ersten oesterreichischen Spar-Casse bliebt Weber nicht mehr lange in Wien-Leopoldstadt; er wurde erst Pfarrer in Mannswörth, später Schlosskaplan in Schönbrunn. Weber starb 1848 in seiner Heimatstadt im Alter von 64 Jahren. Er wurde am Altmannsdorfer Friedhof beigesetzt. Die ERSTE Stiftung kümmert sich nicht nur um die Pflege seines Grabs, sondern übernahm auch die Renovierung des nach ihm benannten Pfarrhauses St. Leopold.

In seinen Gemeinden erlebte Weber den durch die Industrialisierung bedingten gesellschaftlichen Wandel hautnah mit. Nach den Napoleonischen Kriegen war Österreich bankrott und im ganzen Land herrschte Armut. Pfarrer Weber machte sich darüber Gedanken, wie er den Menschen, die in Scharen vom Land in die Stadt zogen und nun ihren Lebensunterhalt als Dienstboten, Tagelöhner, Fabriksarbeiter oder einfache Handwerker verdienten, dabei helfen könnte, ein menschenwürdiges Dasein in dieser Welt zu führen. Er war davon überzeugt, dass es mit Wohltätigkeit allein nicht getan war. Deshalb bat er vermögende Bürger seiner Pfarrgemeinde St. Leopold, Beträge zwischen 100 und 1000 Gulden für die Errichtung einer Sparkasse zu stiften. 1819 zählte der Sparkassenverein bereits 55 Mitglieder, deren Einlagen den Grundstein für die am 4. Oktober 1819 eröffnete Erste Österreichische-Spar-Casse legten.


Die Sparkassenidee

Im frühen 19. Jahrhundert schritt die Industrialisierung zügig voran. Die Landbevölkerung strömte in die Städte und es entwickelten sich neue Gesellschaftsschichten, für die es bislang keine soziale Absicherung gab. Auch Bankdienstleistungen standen nur den wohlhabenden Schichten zur Verfügung.

Von Großbritannien und Deutschland ausgehend verbreitete sich die Sparkassenidee Richtung Süden und bereits 1819 wurde die „Erste oesterreichische Spar-Casse“ in Wien gegründet. Ehrenamtlich tätige Bürger – der karitative Charakter ihrer Bemühungen wurde vom Kaiser offiziell gewürdigt – sicherten die Einlagen der Sparkasse mit ihrem Privatvermögen. Dadurch konnten Fabriksarbeiter, Dienstboten und Handwerker erstmals zinsbringend Geld sparen und so selbstständig für ihre Zukunft vorsorgen.

 

Einlagebuch Nr. 1
Erste Österreichische Spar-Casse, 1819

Das allererste Sparbuch der Ersten Österreichischen Spar-Casse, ausgegeben 1819, gehörte einer Frau: Marie Schwarz.

Diese Idee, die sich auf lokaler Ebene im zweiten Wiener Gemeindebezirk bewährt hatte, entwickelte sich in den Ländern der Donaumonarchie zu einem Erfolgsmodell.

Mit nahezu denselben Statuten wie das ursprüngliche Institut wurden in weiten Teilen Österreichs, Zentral- und Osteuropas mehrere Sparkassen gegründet, unter anderem: 1822 in Laibach (heute: Ljubljana), Innsbruck, Bregenz und Spalato (Split), 1825 in Graz und Prag, 1831 in Görz (Gorizia), 1835 in Klagenfurt, 1835 in Ragusa (Dubrovnik) und Kronstadt (Brasov), 1839 in Pest (Budapest), 1841 in Hermannstadt (Sibiu) und Zara (Zadar), 1842 in Pressburg (Bratislava) und Triest sowie 1844 in Lemberg (Lwiw), Kaschau (Košice) und Tyrnau (Trnava).

Heute würde man diese Banken als Social Businesses bezeichnen: nachhaltige – d.h. sich selbst tragende – Unternehmen, deren Ziel die Bekämpfung der Armut ist.


Das Vermächtnis

Die vorrangige, der ursprünglichen Idee zugrunde liegende Strategie, Menschen dabei zu unterstützen, aus eigener Kraft zu aktiven Mitgliedern der Gesellschaft zu werden, ist heute in der Entwicklungszusammenarbeit und in gemeinschaftlichen Förderkonzepten weltweit etabliert. Anstelle von karitativen Spenden, die Symptome nur kurzfristig lindern, ist es das Ziel, „selbsterhaltende“ Strukturen aufzubauen, die von den betroffenen Menschen auf lokaler Ebene organisiert werden.

Die historischen Wurzeln der ursprünglichen Sparkassenidee sehen wir heute als wertvolles Vorbild und Inspiration für unser zivilgesellschaftliches Engagement. So gründeten wir in Österreich die Zweite Sparkasse, um wichtige Finanzdienstleistungen für Menschen bereitzustellen, die zuvor keinen Zugang dazu hatten. Gemeinsam mit der Erste Group lancierten wir good.bee, eine Plattform für Social Banking und Mikrokredite sowie Finanzdienstleister für Social Entrepreneurs in Zentral- und Osteuropa.