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Standpunkte

Die EU braucht einen Non-Profit-Binnenmarkt

Back on Track mit Verena Ringler

21. August 2019
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Begleiten Sie uns auf unserer Zugreise mit Verena Ringler, Direktorin von European Commons und Kuratorin der Tipping Point Talks 2019, die versucht den Boden für die nächste EU vorzubereiten. Sie schlägt vor Dinge anders zu tun um andere Dinge zu tun. In der zweiten Episode erklärt sie, warum es an der Zeit ist einen EU-Binnenmarkt für den Non-Profit-Sektor einzurichten.

„In den vergangenen Monaten traf ich europäische Entscheidungsträger und Diplomaten. Sie sprachen über die Probleme in Polen, zeigten sich besorgt über den Brexit und wiesen auf Politiker hin, welche die Bevölkerung entzweien. Und sie fragen: Wo sind die NGOs? Wo ist Europas Non-Profit-Sektor, wenn man ihn braucht? Was und wo ist Non-Profit-Europa? Nun, an einem x-beliebigen Tag setzt Europas Privatsektor Millionen von Euro um, die Staatsquote in der EU liegt bei 45 %. Der Non-Profit-Sektor ist im Vergleich dazu klein wie ein Brotkrümel und selbst dieses Mini-Feld ist zersplittert und nicht professionalisiert. Der EU-Binnenmarkt, wie wir ihn kennen, ist ausschließlich für den Markt mit Profiten konstruiert. Es herrscht also eine riesengroße Asymmetrie der Spielfelder! Es gibt noch immer kein zufriedenstellendes europäisches Vereinsstatut, kein einheitliches Stiftungsstatut, keine europäische Gesellschaftsform für gemeinnützige Start-ups oder soziale Innovatoren. Es gibt noch keine europäische gemeinnützige Gesellschaftsform mit beschränkter Haftung. Das bedeutet: Egal ob ich reich an Ressourcen bin, also eine potenzielle Stifterin, oder ob ich reich an Ideen bin, also eine Aktivistin und potenzielle Fördernehmerin: für beide von uns ist grenzüberschreitendes Handeln in der EU kompliziert. Für uns beide stellt sich Europa eher so dar wie im Jahre 1987, nicht wie im Jahre 2019. Warum ist das so? Denn: Wir müssen Steuerberater engagieren, bürokratische Hürden nehmen, Anwälte konsultieren und erstmal herausfinden, ob und wie wir eine Körperschaft im benachbarten EU-Land gründen können. Es gilt, die Asymmetrie der Spielfelder in der EU zu überwinden. Es gilt, die Kraft und die Potenziale von Non-Profit-Europa zu entfalten. Es ist Zeit für den Non-Profit-Binnenmarkt in der EU.“

Dieser Text und dieses Video ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht: CC BY-NC-ND 3.0. Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden. Autor: Jovana Trifunovic und Igor Bararon / erstestiftung.org. Titelbild: Verena Ringler, Standfoto. Foto: © Igor Bararon / ERSTE Stiftung


Back on Track

In Anbetracht der großen geopolitischen Veränderungen und Herausforderungen in unserer Welt, von zunehmendem Nationalismus über vermehrte Forderungen nach Privatsphäre bis hin zum Spannungsfeld zwischen wachsenden menschlichen Bedürfnissen und ökologischen Grenzen, gibt es zweifelsohne noch Raum für erhebliche Verbesserungen. Wir von der ERSTE Stiftung sehen die Zivilgesellschaft in diesem Prozess als wesentlichen Impulsgeber und haben daher die Videoreihe Back on Track über soziales Engagement und Aktivismus gestartet – als ein klares Zeichen der Unterstützung all jener, die sich dafür einsetzen, unsere im Umbruch befindliche Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Das Video Die EU braucht einen Non-Profit-Binnenmarkt ist die zweite Episode der zweiten Staffel von Back on Track.