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Das gekappte Rettungsseil

Balkan Express: Kosovo

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Mit der Unabhängigkeitserklärung Kosovos am 17. Februar 2008 rückt der Konflikt zwischen Serben und Kosovoalbanern neuerlich in den Mittelpunkt medialer Berichterstattung. Mit Sorge blickt die Welt erneut auf die Krisenregion, deren relative Ruhe in den letzten Jahren durch den massiven Einsatz von KFOR und UNO-Polizeitruppen gesichert wurde.

Was bedeutet die Unabhängigkeit für die Stabilität Kosovos? Welche Zukunft steht dem Land bevor? Vor welchen Aufgaben wird die künftige EU-Mission stehen, um die Probleme des Landes zu lösen? Die Dokumentation nähert sich diesen Fragen an, indem sie eines der zentralsten Probleme Kosovos in den Mittelpunkt rückt – die katastrophale wirtschaftliche Lage mit den höchsten Arbeitslosenraten, vor allem für Junge und Frauen, in Europa.

Balkan Express

Balkan Express ist eine zehnteilige Dokumentationsreihe im Rahmen eines der erfolgreichsten TV-Projekte zu Südosteuropa in den letzten Jahren. Menschen, die vor Ort seit den 1990ern zur Weiterentwicklung ihrer Regionen beigetragen haben, beschreiben ihre aktuelle Lebenslage: Künstler, Anwälte, Journalisten, Aktivisten, Bürgermeister und Fußballspieler legen ihre Sichtweise auf die Geschichte dar.

In der Vergangenheit war es der Zusammenhalt der traditionellen Großfamilie, die das Überleben im traditionell armen Kosovo sicherte. Der Besuch einer Kulla – dem wehrhaften Steinhaus albanischer Familien, in dem einst oft 60 und mehr Mitglieder in weitgehend autarker Selbstversorgerwirtschaft, sogenanter Subsistenzwirtschaft, lebten – gibt einen Einblick in die alten familiären Strukturen. Doch auch heute noch bietet die Großfamilie den einzigen wirklichen Rückhalt für die meisten Kosovaren.

Doch dieses gesellschaftliche Gefüge gerät zunehmend ins Wanken. Jährlich drängen Tausende Jugendliche auf einen Arbeitsmarkt, den es nicht gibt. Selbst mit guter Ausbildung hat man wenig Aussicht auf einen Job. Die erzwungene Untätigkeit erzeugt besonders unter Jugendlichen in den Städten große Frustration – und Konfliktpotential.

Der Film sucht Familien auf und zeigt anhand ihrer Schicksale die dringliche Notwendigkeit zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. Ohne staatliche Sozialleistungen bleibt den Menschen nichts anderes übrig, als in den großfamiliären Strukturen zu verharren. Dies bedeutet vor allem für Frauen, ihre traditionelle Rolle weiterhin erfüllen zu müssen. In vielen Fällen sind die Menschen von Familienmitgliedern, die in der Diaspora als Gastarbeiter leben, finanziell völlig abhängig.

Gleichzeitig ist das Vertrauen der Menschen in den Staat und seine Institutionen gering. Die Unabhängigkeitsbewegung Vetëvendosje! („Selbstbestimmung!“) unter ihrem Führer Albin Kurti fordert sogar vehement den Abzug der Internationalen Gemeinschaft. Aber auch hochrangigen internationalen Beamten wie dem Leiter der UN-Verwaltung im Kosovo, Joachim Rücker, oder Ben Crampton, der am Aufbau der EU-Mission mitarbeitete, ist bewusst, dass es zu ihren vorrangigsten Aufgaben zählt, das Land beim Aufbau einer funktionierenden Wirtschaft zu unterstützen. Und dass dies derzeit nicht ausreichend passiert.

Interviews mit Kosovos Unterrichtsminister Enver Hoxhaj, dem Schriftsteller Migjen Kelmendi, der Besuch bei KFOR-Truppen und in der serbischen Enklave Gracanica nahe der Hauptstadt Prishtina zeigen die Bedeutung der wirtschaftlichen Probleme für die Stabilität Kosovos. Von ihrer Lösung – darunter fällt auch die Aufhebung der Isolation des Landes – wird die Zukunft von Europas jüngstem Staat stark abhängen.


Kosovo – Das gekappte Rettungsseil

Dokumentation in voller Länge

„Die bemerkenswerte Serie Balkan Express zerlegt alle Klischees.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Regie: Gernot Stadler
Buch: Wolfgang Stickler
In Zusammenarbeit mit: Gerald Knaus
Idee & Konzept: Gerald Knaus, Martin Traxl, Knut Neumayer
Wissenschaftliche Recherche: Kristof Bender, Eggert Hardten, Verena Knaus, Alex Stiglmayer
Kamera: Werner Veits, Klaus Achter
Musik: Andreas Fabianek, Georg Gratzer
Marketing & PR: Zlata Durakovic
Aufnahmeleitung: Bojana Stanisic
Produktionsleitung: Chimena Novohradsky
Produktion: Nikolaus Wisiak
Redaktion: Herbert Schaden
Gesamtleitung: Martin Traxl
Dank an Erhard Busek, European Stability Pact


Return to Europe / Balkan Express

Balkan Express ist eine Koproduktion von pre tv, ORF/3sat und ORF. Initiiert von der ERSTE Stiftung, wurde die Serie ursprünglich in Zusammenarbeit mit der European Stability Initiative (ESI) produziert und vom Fernsehfonds Austria und CineStyria mitfinanziert. Das Konzept hinter Return to Europe wurde von ORF Kulturchef Martin Traxl erarbeitet, der auch als Supervising Producer aktiv war. Es basiert auf einer Idee von Gerald Knaus (ESI) und Knut Neumayer (ERSTE Stiftung), geschrieben von Wolfgang Stickler. Mit aussagekräftigen Bildern, vermitteln diese jeweils 52-minütigen Episoden eine neue Perspektive auf die Gegenwart und mögliche Zukunft der Region.

Eine zehnteilige Dokumenation (DVD-Box)
Balkan Express