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Aktivitäten

The Tipping Point Talks 2019

200 Jahre ERSTE Stiftung

1. März 2019
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Im Jahr 2019 feiern Erste Bank und ERSTE Stiftung das 200-jährige Jubiläum der Sparkassenidee: Sie war in Zeiten von Industrialisierung und Urbanisierung sozial und wirtschaftlich, sie war innovativ und kühn. Was erzählt uns die Sparkassenidee heute im Jahr 2019?

Identität - Normativität - Möglichkeit - Kühnheit

Diese vier Themenfelder sollen uns in diesem Jahr als Leitlinien bei der Beantwortung folgender Fragen dienen: Wer sind wir in der Region Zentral-, Ost- und Südosteuropa, dreißig Jahre nach Anbruch einer Ära umfassender Transformation, die das Leben und die Zukunft jeder einzelnen Familie beeinflusst hat? Wo wollen wir als Gesellschaften hin? Wie gehen wir am Weg dahin mit unseren Herausforderungen um?

Die ERSTE Stiftung dient dem Gemeinwohl. Wir stärken Zivilgesellschaft, fördern zeitgenössische Kultur und erarbeiten innovative Wege zu sozialer Inklusion. Gemeinsam begehen wir den 200. Geburtstag mit Gesprächen über Themen, die unsere Gegenwart und Zukunft prägen. Die Tipping Point Talks werden kuratiert von Verena Ringler.


NORMATIVITÄT - Timothy Snyder, 9. Mai 2019

Timothy Snyder

US-amerikanischer Historiker, Professor an der Yale University und Permanent Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen. Seine Schwerpunkte sind Osteuropäische Geschichte und Holocaustforschung.

Foto: © Zsolt Marton

Warum sind Werte und Normen essenziell? Wie leben wir ein „Nie wieder“ in dieser fragilen Ära? Eine Grundsatzrede des US-amerikanischen Historikers Timothy Snyder am Wiener Judenplatz am Europatag 2019, die zugleich den Auftakt zur Eröffnung der Wiener Festwochen am 10. Mai darstellt.

Dieses Redeformat soll in Folge einmal jährlich anlässlich des Europatages in Form einer öffentlichen Vorlesung stattfinden. Ort und Zeitpunkt sind nicht zufällig gewählt: Am Wiener Judenplatz verdichtet sich europäische Geschichte wie kaum woanders. Jedes Jahr aufs Neue soll die Frage gestellt werden: Welcher Text lässt sich heute aus diesem urbanen Raum herauslesen? Ein Text, welcher das europäische Narrativ, aus dem das Europa der Gegenwart entstanden ist, neu darstellt.

Es ist ein Beitrag, der helfen soll, dieser Idee von Europa, die uns so lange ein Garant für Frieden war, einen Platz im Zentrum der Stadt und unseres Bewusstseins zu geben.

Hier finden Sie die deutsche Übersetzung des Transkripts der Rede von Timothy Snyder.

Eine Rede an Europa 2019
Timothy Snyder
Judenplatz 1010

„The work of memory is in the present. In our century, a place such as the Judenplatz is not simply a square within a city, but a site that might be viewed from a distance, anywhere in the world, through technology. Jews were once taken from Vienna to be murdered, and that crime cannot be undone. Yet we can bring those who wish to learn from that history to Vienna, to this place. We have chosen this specific place as an opening to a general discussion: as a way to connect the part to the whole, the specific history to our general problems of ethics and politics. The work of memory is for the future. The ones and zeros of 1010 suggest our digital world, the binary language in which machines speak to one another, and in which we must struggle to assert human values, such as responsibility. It recalls an internet which can spread mendacity and hatred, as well as human contact and understanding. We are responsible for recalling the place, and all of the places, within the techniques of our times. And we are responsible for ensuring that the memory of the Holocaust helps us to shape the future. It is in the spirit that we inaugurate these lectures.“ Timothy Snyder

Initiiert von der ERSTE Stiftung wird ab 2019 jährlich anlässlich des Europatags eine öffentliche Vorlesung am Judenplatz abgehalten. Der erste Redner ist der prominente Historiker Timothy Snyder von der Universität Yale, der gleichzeitig auch Permanent Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien ist. Ort und Zeitpunkt sind nicht zufällig gewählt: Am Wiener Judenplatz verdichtet sich europäische Geschichte wie kaum woanders. Jedes Jahr aufs Neue soll die Frage gestellt werden: Welcher Text lässt sich heute aus diesem urbanen Raum herauslesen? Ein Text, welcher das europäische Narrativ, aus dem das Europa der Gegenwart entstanden ist, neu darstellt. Es ist ein Beitrag, der helfen soll, dieser Idee von Europa, die uns so lange ein Garant für Frieden war, einen Platz im Zentrum der Stadt und unseres Bewusstseins zu geben.

Eine Veranstaltung der Wiener Festwochen, der ERSTE Stiftung und dem Institut für die Wissenschaften vom Menschen


MÖGLICHKEIT - Marietje Schaake, 19. September 2019

Marietje Schaake

Foto: © Bram Belloni

Wie können wir digitale Möglichkeiten dazu nutzen, unsere Demokratien, Medienöffentlichkeit und
Zivilgesellschaft zu stärken? Wie können zentral- und osteuropäische Beiträge zu einer Internet Governance der EU aussehen?

Ein Bühnenabend und Themenseminar mit Marietje Schaake, bis 2019 niederländische EU-Abgeordnete und eine globale Vorreiterin in dieser Thematik.


KÜHNHEIT - Ende 2019

Unsere Zukunft in Europa

Foto: © Val Vesa / unsplash.com

Wie können wir im 21. Jahrhundert Wohlstand für die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger, vor allem in der Region Zentral-, Ost- und Südosteuropa, anstatt bloß für eine Minderheit erlangen? Was bedeutet die Gemeinnützigkeitsidee der Sparkassen heute und in Zukunft?

Ein Vortrag und ein interaktives, praxisnahes Think Camp in Zusammenarbeit mit der österreichischen Industriellenvereinigung (IV) im Spätherbst 2019.


IDENTITÄT - Francis Fukuyama, 7. März 2019

Vorwort des Österreichischen Bundespräsidenten
Alexander Van der Bellen

Vor dreißig Jahren teilte ein Eiserner Vorhang unseren Kontinent in West- und Osteuropa. Für viele, insbesondere junge Menschen, ist diese Tatsache, dass wir von unseren östlichen Nachbarn jahrzehntelang durch einen Stacheldraht getrennt waren, nicht mehr als eine vage Erinnerung. Die Auswirkungen der damaligen Teilung Europas jedoch sind bis heute spürbar: Dem Fall des Eisernen Vorhangs folgten der Kollaps der Sowjetunion, der Zerfall des ehemaligen Jugoslawien und die Balkankriege der 90er Jahre. Manche der im Zuge dieser Umbrüche aufgebrochenen Konflikte werden erst heute beigelegt (Anm: Nord-Mazedonien) oder harren noch immer einer Lösung.

Andererseits aber haben die Staaten Mittel-, Ost- und Südosteuropas seither Gewaltiges erreicht. Viele von ihnen, darunter ehemalige Staaten der Sowjetunion, sind heute Mitgliedsstaaten der Europäischen Union – manche von ihnen seit mittlerweile 15 Jahren. Sie sind ein fester Bestandteil unseres gemeinsamen Hauses Europa. Sie – und ihre Bürgerinnen und Bürger – haben sich ihren Platz in der Europäischen Union mit ihrem Freiheitswillen und mit viel Engagement erkämpft. So wurde die EU zu dem gemacht, was sie heute ist: ein einzigartiges Friedens- und Erfolgsprojekt.

All das ist nicht selbstverständlich und muss immer wieder neu errungen werden. Ein Zurück zur Zwergstaaterei – und im Weltmaßstab sind nahezu alle EU-Staaten Zwerge – sollte es jedenfalls nicht geben. Ich halte es vielmehr mit Kommissionspräsident Jean Claude Juncker: Die EU muss weltpolitikfähig werden. Wir brauchen eine starke Europäische Union, die nach innen die Grundrechte ihrer Bürgerinnen und Bürger schützt und nach außen, auf internationaler Ebene, die Interessen der Union und ihrer Mitgliedsstaaten gemeinsam mit Gewicht und Nachdruck vertritt.

Francis Fukuyama

In seinem Buch „Das Ende der Geschichte“ stellt Fukuyama die These auf, dass mehr Freiheit und Wohlstand automatisch zur Forderung nach demokratischer Regierungsführung weltweit führen würden. Und doch scheinen die Wege zu sozialem und wirtschaftlichem Wohlstand in vielerlei Hinsicht entkoppelt. Wie kam es dazu? Ist Identitätspolitik in der heutigen Europäischen Union eher ein Hindernis oder vielmehr ein Schritt zur Erfüllung einer nationalen Vision?

Foto: © Djurdja Padejski

Vor 30 Jahren fiel der Eiserne Vorhang und eröffnete eine Fülle an Möglichkeiten für den Einzelnen, die Gesellschaft und Wirtschaft. Damals schrieb der heute an der Eliteuniversität Stanford lehrende Politikwissenschaftler Francis Fukuyama das Buch Das Ende der Geschichte (The End of History and the Last Man). Seine These, das Ende des Kommunismus würde zur Vorherrschaft der liberalen Demokratien führen, sorgt bis zum heutigen Tag für Kontroversen.

Eröffnung
Boris Marte, ERSTE Stiftung

Festrede
Francis Fukuyama: Identity Politics – The Demand for Dignity and the Nation State’s Future

Bühnengespräch
Wie gestalten wir Demokratie in Europa 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs?

Francis Fukuyama, Politikwissenschaftler
Alexander Van der Bellen, Bundespräsident der Republik Österreich
Julia De Clerck-Sachsse, EU-Diplomatin
Ivan Krastev, Politikwissenschaftler
Karolina Wigura, Philosophin
Moderation: Almut Möller

Für geladene Gäste anläßlich der 200-Jahrfeier der ERSTE Stiftung.


„ Um unsere europäische Zukunft zu gestalten, fehlen uns nicht weitere kleingeistige Ideen, sondern neue, kühne Handlungsallianzen.“

– Verena Ringler, Kuratorin, The Tipping Point Talks 2019

Verena Ringler

Kuratorin und Sonderberaterin der „Tipping Point Talks 2019“ der ERSTE Stiftung.
Foto: © Peter Mayr

Verena gründete und leitet European Commons. Dieses Netzwerk initiiert und realisiert transformative Begegnungen und Dialogformate in Europas Diplomatie, Politik, Wirtschaft und dem Nonprofit-Bereich. Ihren nutzerorientierten und multidisziplinären Zugang zu europäischen Zukunftsthemen entwickelte sie im Magazinjournalismus, der Diplomatie und dem Stiftungswesen. Verena war festangestellte Redakteurin bei Foreign Policy (2002-06, Washington D.C.). Von 2006 bis 2009 baute sie die EU Kommunikation in einem diplomatischen Team im Kosovo auf. Zuletzt gestaltete Verena Ringler mehr als fünf Jahre lang das Europaprogramm der deutschen Stiftung Mercator.

Verena schloss Studien an der Johns Hopkins University / SAIS (2002), den Universitäten Innsbruck und Uppsala (1999) sowie den einjährigen Lehrgang Magazinjournalismus an der Universität Wien (1998) ab. Sie veröffentlichte mehr als 300 Beiträge zu Europa und der Welt in Magazinen und multimedialen Formaten. Zuletzt erschien ihr Kapitel zu Innovation in der Regierungsarbeit im Band “Realistic Hope” (AUP, 2018). Verena ist Mitglied des Strategierates des Think Tanks „European Policy Centre (EPC)“.

office@verenaringler.com
+43 676 48 49 024, Webseite


Titelbild: Am 27. Juni 1989 durchtrennte der ungarische Außenminister Gyula Horn (rechts) gemeinsam mit seinem österreichischen Amtskollegen Alois Mock im ungarischen Sopron den Stacheldraht des ehemaligen Eisernen Vorhangs. Foto: © Bernhard J. Holzner / AP / picturedesk.com

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